
Standortförderung beginnt kommunal
Die unterschiedlichen Definitionen von «Standortförderung» gefährden den systematischen Ansatz. Ein gemeinsames Verständnis von lokaler Standortförderung kann helfen, schreibt Bruno Hofer Kommunalmanagement.
08.07.2026 – Jeder, der von Standortförderung spricht, versteht etwas anderes darunter. Die einen denken, es bedeute quantitatives Wachstum, mehr Immobilien, Zuwanderung mit vielen negativen Folgen für die Umwelt. Die anderen sehen im Begriff die Wirtschaftsförderung, wobei es sich vor allem um das Ansiedeln von Firmen handelt und um alle Massnahmen der Bestandespflege, die dazu führen, dass die Unternehmen hier verweilen und nicht abwandern möchten. Wieder andere sehen die Kommunikation über einen Standort im Vordergrund, das Marketing für ein positives Image einer Gemeinde oder auch einer ganzen Region.
Was ist Standortförderung aber wirklich? Wie funktioniert sie? Welches sind die Rollen der drei staatlichen Ebenen? Hat jede Ebene eine Funktion, oder gehört Standortförderung nur in die Hände des Bundes, der Kantone, der grossen Player wie «Greater Zurich Area» oder anderer überregionaler Organisationen, oder ist auch die kommunale Ebene gefordert? Hier – wie überall – gilt, leicht abgewandelt, das Diktum von Jeremias Gotthelf: «In der Gemeinde muss beginnen, was leuchten soll im Vaterland.»
Die national, kantonal und regional tätigen Organisationen der Standortförderung entwickeln das volle Potenzial erst dann, wenn die kommunale Ebene ihnen entgegenkommt und die übergeordneten Bestrebungen adaptiert. Vor allem aber: Standortförderung ist ein ganzheitliches Konzept, das systematisch und konzeptionell aufzugleisen ist und zahlreiche Massnahmen in verschiedenen Feldern und Bereichen umfasst.
Was bedeutet das nun aber ganz konkret? In einem ersten Schritt erstellt die Gemeindeexekutive als kollegiales Team ein gemeinsames Verständnis über die Stärken und Schwächen, aber auch über die Risiken und Chancen, die den von ihnen zu betreuenden Standort auszeichnen. Diese Standortbestimmung bezeichnet die Ausgangslage und ist Basis für alle nächsten Schritte.
Schritt zwei ist die Spiegelung dieser Standortbestimmung an den Zielsetzungen, Visionen und Leitbildern der Gemeinde. Dieser Kompass zeigt auf, wohin die Reise in den verschiedenen Bereichen wie Digitalisierung, Klimawandel usw. gehen soll. Aufgrund der Resultate der Standortbestimmung muss dieser Kompass möglicherweise neu justiert werden, was zu einer Anpassung der Leitbilder führen kann.
Schritt drei integriert alles, was die Umsetzung dieser Zielsetzungen als konkrete Standortplanung beinhaltet, also die Aktionen struktureller Natur, die in die Wege geleitet werden müssen. Dies betrifft konkrete Themen wie Bau- und Zonenordnungen, Projekte der Raumplanung, aber auch der Infrastruktur wie Verkehrsanbindungen, Schulhäuser und vieles mehr.
Ist die «Hardware» in Schritt drei bestimmt, geht es um die Standortförderung im engeren Sinn. Hier sprechen wir von der «Software» im Rahmen von Wirtschafts- und Wohnortförderung, dem Ansiedlungsmanagement sowie der Kommunikation. Diese Funktionen sind jeweils für sich umzusetzen, erfordern unterschiedliche Skills, gehören aber dennoch zusammen und greifen teilweise ineinander. Als Ganzes entwickelt sich daraus das Massnahmenpaket, das die eigentliche Standortförderung ausmacht.
In den Funktionen Wirtschafts- und Wohnortförderung sind alle Aktionen und Massnahmen angesiedelt, die dafür sorgen, dass die Bevölkerung und die Unternehmen sich am Standort wohlfühlen und hierbleiben möchten. Hier geht es somit um Bestandespflege. Diese Funktionen stehen in Ergänzung zum Ansiedlungsmanagement, worin alle Massnahmen verankert sind, die es braucht, damit Menschen und Unternehmungen sich am Standort niederlassen.
«Tue Gutes und sprich darüber.» Über allem steht die Kommunikation. Sie dient sowohl im Tagesgeschäft als auch bei strategisch angelegten Marketingkampagnen der «Markenpflege» und damit der positiven Sichtbarkeit. Eine bewusst gestaltete und systemisch erfasste Standortförderung auf kommunaler Ebene ergänzt, verfeinert und vollendet somit die Bemühungen jener Organisationen und Player, die auf nationaler, kantonaler und regionaler Ebene wirken.
Bruno Hofer ist Unternehmer und Berater für Standortförderung. Dieser Artikel erschien in der Neuen Zürcher Zeitung vom 27.02.2023






