Prompt zum Prompt: So schreibt die KI Einsprachen

In KI-Schulungen oft unterschätzt: Gemeinden sind neu konfrontiert mit scheinbar professionell formulierten Rechtsschriften aus KI-Tools.

03.08.2026 – Sicher haben Sie auch schon darüber nachgedacht: einen Kurs zu belegen für den Umgang mit der KI in Ihrer Gemeinde. Zahlreiche Anbieter sind auf dem Markt und bieten Kompetenzkurse an. Sie können davon profitieren. Wenn Sie wollen mit dem Klick auf den Myni-Gmeind-Link am Ende dieses Postings.

Der Kurs lehrt, wie Dokumente rascher erstellt, die Kommunikation nach aussen verdeutlicht und der Umgang mit Textmengen allgemein vereinfacht wird. Das bringt Ihnen hilfreiche Erkenntnis-, Wissens- und Erfahrungsbausteine, um Ihre Verwaltung effizienter und bürgerfreundlicher zu gestalten.

Oft kommt dabei allerdings ein neuer Aspekt zu kurz: Immer mehr formelle Einsprachen kommen in perfektem Juristensprech daher. Ganz offensichtlich hat hier KI den Griffel geführt. So berichtet etwa Roger Bachmann, Stadtpräsident von Dietikon, die Zahl an pseudo-juristischen Einsprachefristen habe merklich zugenommen: «Verschiedene Ämter berichten, dass deutlich mehr Einsprachen gegen Entscheide und Verfügungen erhoben werden, bei denen man auf den ersten Blick meinen könnte, dass sie von einem Juristen verfasst wurden, beim näheren Hinschauen aber offensichtlich ist, dass ChatGPT zu Hilfe genommen wurde.» So habe er neulich Meldungen von der KESB und dem Friedensrichteramt erhalten, aber auch im Personalwesen mache man bereits solche Erfahrungen.

Dietikon ist gewiss kein Einzelfall. Zudem geht es dabei geht es  nicht nur um vermehrte juristische Einsprachen, sondern auch um E-Mails von verärgerten Bürgern, die dank KI-Tools auf ein erweitertes Arsenal zugreifen können. Dagegen können zwar interne Regelungen helfen, die vorsehen, offensichtlich missbräuchlich oder querulatorische Eingaben als unzulässig abzuweisen.

Bei den juristischen Eingaben sieht das anders aus: «Die Verwaltung wird dadurch zusätzlich belastet, weil sie solche Rechtsmittel trotzdem behandeln/erledigen muss, auch wenn sie chancenlos resp. unnötig sind und dadurch Ressourcen für wichtigere Dinge fehlen.»

Natürlich können juristische Eingaben ebenfalls mit KI-Tools beantwortet werden. Man delegiert sozusagen den Konflikt an die «Hilfe-Stellen». Doch das hat einen Haken. Während die Einsprecherschaft nicht einen Beleg dafür liefern muss, lupenrein zu argumentieren, unterliegt die Behörde juristischer Korrectness.

Die ungleichen Spiesse erschweren das Gemeindeleben und rufen nach einer Diskussion über eine wirkliche Lösung.

Bild: zvg Roger Bachmann