Frisch Gespeichert – Eine Appenzeller Gemeinde entwickelt ein Kommunikationskonzept und ihre Mitarbeitenden

Der Name lädt zum Wortspiel ein: Speicher speichert seine Kommunikation neu. Doch hinter dem neuen Kommunikationskonzept der Ausserrhoder Gemeinde steckt mehr als ein Papier darüber, wer wann welche Medienmitteilung verschickt.

 

27.08.2026 – Die Gemeinde mit rund 4500 Einwohnerinnen und Einwohnern legt auf 18 Seiten fest, wie sie künftig kommunizieren will. Bemerkenswert ist das Ergebnis. Fast noch interessanter ist aber der Weg dorthin.

 

Denn Speicher zeigt, wie sich eine Gemeinde weiterentwickeln kann, indem sie ihre Mitarbeitenden weiterentwickelt. Ausgangspunkt des Kommunikationskonzepts war die Diplomarbeit von Gemeindeschreiberin Michal Herzog. Sie absolvierte berufsbegleitend die Weiterbildung zur dipl. Expertin in Leadership und Changemanagement HF – und verband ihre Ausbildung mit einer konkreten Aufgabe ihres Arbeitgebers. So wird aus Personalentwicklung Organisationsentwicklung. Gerade für kleinere und mittlere Gemeinden ist das interessant. Sie verfügen selten über grosse Stabsstellen oder Entwicklungsressourcen. Dafür haben sie Mitarbeitende, welche die eigene Organisation, die politischen Verhältnisse und die Bedürfnisse der Bevölkerung bestens kennen.

Wenn diese sich weiterbilden und ihr neues Wissen unmittelbar in der Gemeinde einsetzen können, profitieren beide Seiten: Die Mitarbeitenden entwickeln sich – und mit ihnen entwickelt sich die Gemeinde.

Auch methodisch überzeugt die Gemeinde Speicher. Am Anfang stand eine Analyse der bestehenden Kommunikation. Interne und externe Anspruchsgruppen wurden nach ihren Erwartungen und Bedürfnissen befragt. Der Gemeinderat legte daraufhin Werte und Grundsätze fest.

Mittels SWOT-Analyse wurden Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken untersucht. Daraus entstanden 14 strategische Handlungsoptionen, die nach Machbarkeit und Wirksamkeit beurteilt und priorisiert wurden.

Nun prüft eine Projektgruppe unter Leitung von Michal Herzog die priorisierten Optionen und erarbeitet einen Massnahmen- und Finanzplan. Erst danach entscheidet der Gemeinderat über die Umsetzung.

Das ist strategische Gemeindeführung: zuhören, analysieren, Optionen entwickeln, priorisieren – und erst dann handeln und Geld ausgeben.

Speicher versteht Kommunikation nicht als administrative Nebenaufgabe, sondern als Führungsaufgabe. Das Konzept behandelt gesetzliche Grundlagen, Werte, Zielgruppen, Zuständigkeiten und Kommunikationskanäle. Die Kommunikation soll transparent, verständlich, zeitnah, glaubwürdig und zielgruppengerecht sein.

Dabei geht es nicht nur um Medienmitteilungen, Gemeindeblatt oder Website. Auch soziale Medien, E-Mitwirkung, Veranstaltungen, Workshops, interne und Krisenkommunikation sowie der Austausch mit Gewerbe, Parteien und Vereinen gehören dazu.

Kurz: Gemeindekommunikation heisst nicht nur senden. Sie heisst auch zuhören.

Interessant ist das auch mit Blick auf die Standortentwicklung. Im Gemeinderating 2026 des Immobiliendienstleisters IAZI, das 966 Schweizer Gemeinden vergleicht, liegt Speicher insgesamt auf Rang 411.

Die Unterschiede in den Kategorien sind allerdings gross: Bei der Sicherheit erreicht Speicher den hervorragenden 5. Rang, bei der Bevölkerungsstruktur Rang 37 und beim Arbeitsmarkt Rang 91. Entwicklungspotenzial besteht unter anderem bei der Erreichbarkeit mit Rang 796, beim Wohnen mit Rang 542 und bei der Steuerbelastung mit Rang 563.

 

Eine Gemeinde kann ihre geografische Lage kaum verändern. Auch strukturelle Standortnachteile lassen sich nicht einfach wegregieren. Aber sie hat es selber in der Hand, wie sie führt, sich organisiert, kommuniziert und ihre Mitarbeitenden entwickelt. Genau dort kann Gemeindeentwicklung ansetzen.

Natürlich wird ein Kommunikationskonzept Speicher nicht von Rang 411 an die Spitze des nächsten Gemeinderatings katapultieren. Aber gute Kommunikation schafft Vertrauen, erleichtert den Dialog und kann die Identifikation mit einer Gemeinde stärken.

Vielleicht trägt das neue Konzept also tatsächlich dazu bei, dass Speicher künftig einige Plätze gutmacht.

Andere Gemeinden sollten das Konzept nicht einfach kopieren. Nachahmenswert ist vielmehr der Prozess: Mitarbeitende weiterbilden, ihr neues Wissen für konkrete Aufgaben nutzen, Anspruchsgruppen einbeziehen, analysieren, priorisieren und daraus Massnahmen entwickeln.

Speicher erzählt damit nicht nur eine Geschichte über gute Kommunikation. Die Gemeinde zeigt auch, wie Organisationsentwicklung funktionieren kann: Indem man Mitarbeitende entwickelt und ihnen die Möglichkeit gibt, ihr Wissen und ihre Fähigkeiten einzubringen. Speicher macht vor, wie das gehen kann.