
Bevor sie Steuern spart, verschleisst KI Investitionen
Aufpassen, was man reintut und kritisch sein gegenüber dem, was dabei rauskommt. So fasst Paul Meyrat, KI-Spezialist in der Stadt Zürich, im Kommunal-Geplauder zusammen, worauf es in Gemeindeverwaltungen zu achten gilt im Umgang mit künstlicher Intelligenz.
19.05.2026 – Entziehen kann man sich KI nicht. Das sagt Paul Meyrat im Gespräch. In der Stadt Zürich wurde er vor vier Jahren angestellt, um Projekte der digitalen Transformation zu lancieren und umzusetzen. Doch dann kam ChatGpt. Es gab Fragen, wie geht man damit um? Als mit dem Thema vertraut, da er sich vorher schon mit KI beschäftigt hatte, landeten viele diesbezügliche Anfragen auch bei ihm.
Kommunalmanagement: Sollten Gemeinderäte KI-Nutzung in ihrer Gemeinde verbieten bis man ein Konzept für den Umgang damit hat?
Paul Meyrat: KI geht nicht weg. Es ist wie das Internet. Eine atemberaubende Entwicklung. Man muss sich damit auseinandersetzen. Verbieten würde nicht zweckdienlich sein. Viele Mitarbeitende haben ja bereits KI-Tools auf ihren Handy in Betrieb.
Welches ist die wichtigste Regel für den Umfang mit KI in der Verwaltung?
Es müssen verschiedene Dimensionen berücksichtigt werden. Die erste betrifft die Technik. Oft werden noch Gratisversionen genutzt. Das ist suboptimal. Besser eine Bezahlversion lösen und dort drin die Datenschutzeinstellungen so strikt wie möglich konfigurieren. So werden interne rechtliche Vorgaben am ehesten erfüllt.
Wie sieht es mit Vorgaben und Schulungen aus?
Der Bund hat ein Merkblatt für den Umgang mit KI entwickelt und veröffentlicht. Auch wir in der Stadt Zürich haben Vorgaben erlassen. Die Richtlinie umfasst drei Seiten und ist klar strukturiert. Unproblematisch ist die Eingabe von öffentlich zugänglichen Daten in die KI-Werkzeuge. Alle Eingaben von Informationen, die nicht öffentlich auch verfügbar sind, sind verboten. Eine Eingabe ist ausnahmsweise aber dann dennoch möglich, wenn sie vollständig anonymisiert wird. Explizit zulässig sind Nutzungen im Zusammenhang mit Einstiegshilfen in einen Themenbereich, der Formulierung und Illustrierung von Texten oder Videos oder der Erstellung von Software-Codes. Wichtig ist auch, dass das, was herauskommt, geprüft wird, da die KI-Tools zum Halluzinieren neigen. Solche Regelungen müssen in Schulungen eingeübt werden.
Oft im Einsatz sind Tools der Hyperscaler wie Open AI, Google oder Microsoft. Gibt es Schweizer Tools?
Ja die gibt es. Und daraus lassen sich massgeschneiderte Lösungen entwickeln. So haben wir in der Stadt Zürich mit Hilfe der Firma Alpine.ai einen ChatBot entwickelt, der in sich geschlossen ist und dessen Daten auf Servers in der Schweiz gelagert werden. Hier ist es verwaltungsintern auch möglich, vertrauliche Daten einzugeben. Solche Lösungen sind jedoch für kleinere Gemeinde vermutlich zu kostenintensiv, sie können allenfalls als Verbundlösungen Sinn machen.
Wo liegen die Sparpotenziale in Verwaltungsabläufen?
Es sind viele Verbesserungen denkbar. So können beispielsweise aus dem Publikum eingehende E-Mails mit KI vorsortiert und in die zuständige Verwaltungseinheit automatisch weitergeleitet werden, ohne dass eine Person die Triage vornehmen muss. Auch die Protokollierung von Sitzungen – vor allem bilateraler Natur – ist bereits weit fortgeschritten und man kann gut damit experimentieren oder arbeiten.
Wann wird der Finanzaufwand der Umstellung auf KI auch die Steuerzahler entlasten?
In der Tat ist die Umstellung auf KI-Tools zeitaufwendig und nicht kostenfrei zu haben. Auch Prozesse müssen angepasst werden. Ob längerfristig dieser Investitionsaufwand durch Einsparungen gedeckt werden kann, muss noch offenbleiben. Die Vermutung hingegen, dass die Verwaltungsabläufe dadurch für die Endbenutzer, das heisst die Bevölkerung einfacher oder mit Mehrwert versehen werden, ist plausibel.
Fazit: KI ist Realität und alle müssen sich damit befassen. Gemeinden die es klug nutzen können längerfristig Kosten sparen und den Service für Einwohnerinnen und Einwohner verbessern.
Mehr über den KI-Experten Paul Meyrat gibt es auch im Newsletter, den er über LinkedIn herausgibt. Wer den nachfolgenden Link klickt, landet auf LinkedIn direktim Newsletter von Paul Meyrat. Gewinnbringende Lektüre!






