
Ist das Energiestadt-Label überholt?
Wird das Energiestadt-Label bald abgeschafft? Hat es sich überlebt? Kann man Energieziele auch ohne Label erreichen? Eine Auslegeordnung mit Empfehlungen.
09.06.2026 – Jetzt hat auch Dachsen sich aus dem Energie-Label verabschiedet. Nachdem dies früher bereits Au SG, Widnau, Altstätten, Oberriet, Bütschwil-Ganterschwil, Rorschacherberg, Rorschach und Rüti taten, um nur ein paar Beispiele aus SG zu zitieren. Begründungen ähneln sich: Das Verhältnis von Kosten zu Nutzen stimmt nicht. Es wächst offenbar die Überzeugung, dass gute Energie- und Klimapolitik zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist, für die es kein besonderes Label mehr braucht.
Die Frage stellt sich, ob nachhaltige Energiepolitik heute nicht ohnehin zum Grundauftrag einer Gemeinde gehört.
Es ist für mich eine ähnliche Frage wie bei den Bio-Produkten. Etwas das un-bio ist, sollte gar nicht in den Verkehr gebracht werden dürfen. Wobei die bio-Anforderungen redimensioniert werden könnten.
Noch sind gegen 500 Gemeinden und Städte (von rund 2000 schweizweit) mit dem Energiestadt-Label ausgezeichnet, einige davon sogar mit dem Goldlabel. Das ist aber immer noch lediglich ein Viertel aller Kommunen, wenn auch zu erwähnen ist, dass darin rund 60% der Schweizer Bevölkerung lebt. Doch die Neueintritte stagnieren. Und Austritte finden statt.
Der Ursprung des Energie-Labels geht auf die Bundesinitiative zurück, die damals Bundesrat Adolf Ogi mit seiner Eierkoch-Mission angestossen hat. Ich war an jener Pressekonferenz dabei, die in einer Küche stattfand. Er hat das so gut gemacht, dass man heute noch darüber spricht. Und mehr noch: Das Schweizer Label scheint gar eine Wurzel europäischer Systeme zu sein. Deutschland kennt den European Energy Award, Österreich die sogenannten e5-Gemeinden, Luxemburg den Klimapakt und Frankreich Cit’ergie.
In der Schweiz ist es heute der private Trägerverein Energiestadt, der in der Folge federführend wurde, mit Laura Pfund als Co-Geschäftsführerin. Die Verbindung zum Bund läuft über EnergieSchweiz im Bundesamt für Energie unter Tim Frey.
Die Energiewende ist im Gang, ob Trump das will oder nicht. Wichtig ist sie und das Vorgehen muss weltweit koordiniert sein.
Die globale Wirkung einer einzelnen Gemeinde bleibt naturgemäss begrenzt. Dennoch können lokale Initiativen eine wichtige Vorbildfunktion übernehmen und konkrete Veränderungen vor Ort auslösen.
Die Tafel als Schmuckstück am Eingang zum Dorf ist noch immer ein sichtbares Zeichen. In dieser Gemeinde wird die Energiewende besonders ernst genommen. Das ist wertvoll. Heisst aber nicht, dass dort, wo das Schild fehlt, keinerlei Energiebewusstsein vorhanden ist.






