
Aarauer Wirtschaftssignal
Städte sind links und grün. Sagt man. Das stimmt vielerorts. Die FDP Aarau will aber Gegensteuer geben. Und hat bereit etwas erreicht.
31.03.26 – Brigitte Vogt kam vor 35 Jahren nach Aarau zurück und stellte fest, die Stadt hat sich zu verändern begonnen. «Die Stadt entwickelte sich hin zu Modernität und urbanerem Denken,» berichtet sie auf Anfrage. Seither sei ein lebendiger Lebensraum entstanden und vor allem kulturell habe sich viel getan. Und wirklich: Heute gilt Aarau als Kulturstadt par Excellence. Sie hat sich sogar entschlossen, zur Kulturhauptstadt der Schweiz aufzusteigen. Die Bewerbung ist eingereicht.
Doch Aarau hat auch eine Wirtschaft und ein Gewerbe. Aber wirtschaftliche Aspekte würden von der Stadt immer weniger ernst genommen, sagt Brigitte Vogt, die dazu im letzten Jahr einen Vorstoss einreichte.
Darin nimmt sie die Sektion Stadtentwicklung ins Visier. Diese sei zwar stetig erweitert und personell aufgestockt worden. Die wirtschaftliche Beurteilung von Projekten gehe dabei aber «schlichtweg vergessen.» Vogt fordert im Rahmen einer Neuorganisation, «dieses Manko zu beheben und ein wirtschaftliches Denken besser zu implementieren.»
Insbesondere fragt Brigitte Vogt, wie sichergestellt werden könnte, dass «die Wirtschaftsförderung der Stadt Aarau als Teil der von der Verwaltung abgespaltenen, eigenständigen Stiftung „aarau Standortförderung“ mit Leistungsvertrag, in die Beurteilung aller für sie relevanten Projekte eingebunden wird.»
Man wollte etwas umfassend Gutes tun mit der Auslagerung der Standort-Belange aus der Verwaltungsbürokratie. Eine Stiftung gründen, auch den Tourismus und das Citymanagement einschliessen. Schlagkraft erhalten im Standortwettbewerb der Städte.
Seit Januar 2021 ist das Gebilde nun operativ. Standortförderung sollte gestärkt werden. Doch die Implementierung in Verwaltungsprozesse erweist sich als schwierig. Die Stadtentwickler scheinen sich nicht mehr für Standortbelange zuständig zu fühlen. Sie fokussieren gern auf Fachbereiche wie «Raum- und Quartierentwicklung», «Mobilität und öffentlichen Raum» sowie «Umwelt und Klima». Bäume werden besser geschützt als Parkplätze für Autos. Neue Flächen fürs Gewerbe und die Wirtschaft sind weniger prioritär betrachtet als Raum für Wohnen.
Dass zur Nachhaltigkeit auch Steuersubstrat von Firmen gehört, schwindet aus dem Blickfeld. Das Gewerbe fühlt sich bedrängt, wie Brigitte Vogt im Gespräch betont.
Die Stadtverwaltung beteuert in ihrer Antwort, die neue Organisationsstruktur der Sektion Stadtentwicklung strebe danach, die komplexen Fragestellungen der Stadtentwicklung ganzheitlich zu bearbeiten und die vielfältigen räumlichen, gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Interessen systematisch in die jeweiligen Prozesse einzubeziehen. Auch hat Stadtpräsident Hilfiker, der auch Präsident der Schweizerischen Städteverbandes ist, nun das Dossier Standortförderung zur Chefsache erklärt.
Daraus könnte sich ein stärkeres wirtschaftliches Mitdenken entwickeln, wagt Brigitte Vogt zu hoffen.






