
Der Mantel der Geschichte
In Baden kämpft ein Grossrat gegen den Fortbestand der Ortsbürgergemeinde. Das Beispiel Glarus zeigt, dass es auch anders geht.
08.12.2025 – Es ist auch im persönlichen Leben so. Es gibt Momente, die sind matchentscheidend. Sei es für den Aufbau einer Beziehung oder die Lancierung einer Karriere oder für die Wahl des Wohnsitzes. Das ist, als ob der Mantel der Geschichte einen streift. Erst im Nachhinein sieht man, wie wichtig jener Moment war.
So auch in der Politik. Es gibt Themen, die werden tausendmal diskutiert. Es wird gekämpft und gerungen. Und auf einmal geht es ganz von alleine. So wurde bei den PTT gekämpft um eine Aufspaltung und plötzlich kam die Trennung von alleine. Oder der Milchpreis: Jahrzehntelang war das ein Riesenthema im Bundesrat. Plötzlich kam eine Reform, und jetzt ist es kein Thema im Bundesrat mehr.
Oder die Ortsbürgergemeinden. Sie sind ein Relikt aus dem Mittelalter und deren Abschaffung ging im Zuge der französischen Revolution bis zur Ausgestaltung des Bundesstaates «irgendwie vergessen» und so sind sie auch in Zeiten der grossen Einwohnerschafts-Mobilität noch immer real existent. Zumindest vielerorts. Man mag über deren Sinnhaftigkeit streiten.
Manchmal wird jedoch auf gerade illustren Wegen versucht, auf deren Existenz zu verzichten. So beispielsweise in Baden im Kanton Aargau. Hier kämpft ein Grossrat Namens Gian von Planta geradezu heldenhaft gegen Windmühlen an. Seine Strategie: Ich will Mitglied werden und dann von innen heraus die Ortsbürgergemeinde Baden abschaffen.
Einen einfacheren Weg haben Glarnerinnen und Glarner gewählt, wohl ohne es richtig zu realisieren. Die Ortsbürgergemeinden wurden ganz einfach an der Landsgemeinde vom 7.5.2006 im Zuge der Fusion aller Gemeinden zu drei Einheiten mitabgeschafft. Wenn der Mantel der Geschichte weht, kann plötzlich viel passieren. In der Politik spielt nicht nur die Idee und das Argument eine Rolle, sondern oft auch der Zeitpunkt.






