Die Schweiz braucht ein neues Geschäftsmodell

Die Schweiz hat in den drei Jahrzehnten der Globalisierung sehr gut gelebt, weil es gelungen ist, sich in den oberen Etagen der globalen Wertschöpfungsketten zu platzieren. Nun kommt dieses Geschäftsmodell an sein Ende, schreibt Steffen Klatt in seinem neuen Buch.

17.03.2026 – Steffen Klatt ist bekannt als Gründer und Betreiber der Nachrichtenagentur Café Europe in Winterthur. Er ist Herausgeber zahlreicher Newsletters und Newstickers für die Wirtschaft. Steffen Klatt vernetzt mit diesen Kanälen die kleine Schweiz mit der grossen Welt.

In dieser Funktion hat er sich seit Jahren und Jahrzehnten mit der Schweizer Wirtschaftswelt beschäftigt. Nun hat er seine Beobachtungen und Erfahrungen in einem Buch festgehalten, das er im Gespräch mit Bruno Hofer Kommunalmanagement im Podcast und Video vorstellt.

Das bisherige Businessmodell bestand darin, an der Spitze der Wertschöpfungskette zu wirtschaften, sagt Klatt. Und in der Zeit der Globalisierung habe das gut funktioniert. Produktion habe man wegverlagert, hohe Wertschöpfung blieb hier. Die Schweiz sei reich geworden. Viel Geld floss ins Land. Allerdings nicht für alle.

So habe etwa die Immobilienindustrie sehr profitiert. Die Grundstückspreise seien angestiegen. Auch die Bauwirtschaft habe zulegen können. Es gebe kaum mehr einen Hügel in der Schweiz, der nicht von einem Strassen- oder Bahntunnel durchbohrt sei. Ein weiterer Profiteur sei das Gesundheitswesen. Erstklassige Dienstleistungen locken auch eine internationale Kundschaft. Milliarden und Milliardäre siedelten sich ebenfalls hier an.

Doch diese Zeiten seien vorbei. Corona, Ukrainekrieg und US-Handelszölle hätten das Erfolgsmodell in Frage gestellt, urteilt Klatt. «Die Schweiz braucht, um weiter Erfolg zu haben, ein neues Business-Modell.» Die urbane Gesellschaft in einem vielfältigen Land biete eine gute Grundlage: «Die Schweiz ist zu einer Grosstadt zusammengewachsen, mit vielen Quartieren und grossen grünen und blauen Flächen dazwischen.» Die Menschen in der Schweiz wüssten, wie man neue Ideen entwickle. Hochschulen, Fachhochschulen und Einrichtungen wie der Technopark Zürich legten davon Zeugnis ab. Ressourcen seien vorhanden, das Potenzial etwa der Kreislaufwirtschaft liege noch weitgehend brach.

In der Tat, auch Sergio Ermotti, der CEO der UBS hat Anfangs Februar in einer öffentlichen Veranstaltung seinen Respekt ausgedrückt für die zahlreichen grossen Global Players, die ihren Ursprung in der Schweiz hätten. Doch gleichzeitig die Frage in den Raum geworfen, warum man keine neuen sehe, die ein ähnliches Potenzial aufwiesen.

Ich gebe Steffen Klatt recht, wenn er sagt: «Das Potential ist da». Die Entfesselung der Gründerkräfte ist ein Gebot der Stunde. Dazu braucht es aus meiner Sicht auch eine Deregulierungs-Initiative und nicht ständig neue Regelungen und Gesetze.

Steffen Klatt: «Warum die Schweiz so reich ist – und warum nicht alle etwas davon haben». Verlag Zytglogge. Erscheint im April.

Warum die Schweiz so reich ist | Sachbuch | Buchprogramm | Zytglogge

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