Unser östliches Nachbarland hat eine ähnliche Struktur wie wir und etwa eine gleich grosse Zahl an Einheiten auf kommunaler Ebene. Deshalb lohnt sich ein Blick in den Osten wenn es um Digitalisierung geht. 

 

 

Österreich will seinen rund 2’100 Gemeinden künftig einen gemeinsamen App-Store für Verwaltungssoftware anbieten. Die Bundesregierung stellt dafür acht Millionen Euro bereit. Die Idee: Gemeinden sollen bewährte digitale Anwendungen einfacher beziehen und einsetzen können, statt jede Software selbst evaluieren und aufwendig integrieren zu müssen.

Das ist auch für die Schweiz interessant. Unsere gut 2’100 Gemeinden stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Gerade kleinere Gemeinden verfügen oft nicht über die personellen und finanziellen Mittel, um ihre Digitalisierung eigenständig voranzutreiben.

Dabei müsste die Schweiz keineswegs bei null beginnen. Mit der Digitalen Verwaltung Schweiz (DVS) besteht bereits eine gemeinsame Organisation von Bund, Kantonen und Gemeinden zur Förderung der digitalen Transformation. Auch die nationale E-Government-Zusammenarbeit und die Arbeiten an gemeinsamen Standards und Schnittstellen bieten Anknüpfungspunkte.

Ein kommunaler Software-Marktplatz könnte diese Bestrebungen sinnvoll ergänzen. Die DVS könnte beispielsweise gemeinsame Qualitätsanforderungen und technische Standards fördern. Auf einer Plattform könnten Gemeinden geprüfte Anwendungen vergleichen und beschaffen. Besonders interessant wäre das bei Aufgaben, die schweizweit ähnlich sind, etwa der Geschäftsverwaltung, der elektronischen Mitwirkung oder bei digitalen Dienstleistungen für die Bevölkerung.

Allerdings hat die österreichische Idee auch ihre Tücken. Die Schweizer Gemeinden sind in die Rechtsordnungen ihrer Kantone eingebunden. Eine Software, die in Zürich funktioniert, erfüllt nicht automatisch die Anforderungen im Tessin oder im Wallis. Zudem bestehen bereits kantonale E-Government-Plattformen und gemeinsame Informatiklösungen. Ein neuer App-Store könnte deshalb zusätzliche Doppelspurigkeiten schaffen.

Auch wirtschaftspolitisch ist Vorsicht geboten. Wer entscheidet, welche Software auf die Plattform gelangt? Ein staatlich kontrollierter Marktplatz darf nicht dazu führen, dass einzelne Anbieter bevorzugt und innovative Konkurrenten ausgeschlossen werden.

Für die Schweiz wäre deshalb weniger ein zentraler staatlicher App-Store als vielmehr ein offener, freiwilliger Software-Marktplatz mit gemeinsamen Standards interessant. Die DVS könnte dafür den Rahmen schaffen, ohne selbst zur Softwarehändlerin zu werden.

Österreich liefert einen bemerkenswerten Denkanstoss. Die Schweiz sollte ihn aufnehmen, aber nicht einfach kopieren. Denn der Föderalismus verlangt nicht, dass jede Gemeinde das digitale Rad immer wieder neu erfindet.

Der Text ist damit deutlich gestrafft. Besonders wichtig ist die aktuelle Entwicklung in der Schweiz: Bund und Kantone haben im Dezember 2025 beschlossen, die DVS in Richtung verbindlicher technischer Standards weiterzuentwickeln. Dafür werden auch neue verfassungsrechtliche Grundlagen geprüft. Ein kommunaler Software-Marktplatz könnte sich in diese Reform einfügen, ohne dass die DVS selbst Software verkaufen müsste.