
Die Gemeinde Zumikon schafft eine Verwaltungsstelle, um dafür zu sorgen, dass die Kinder bessere Lesefähigkeit erhalten. Ist das eine gute Idee, die andere Gemeinden nachahmen sollten? Ich bezweifle das.
Lukas Hässigs Paradeplatz war der erste, der darüber berichtete: Zumikon will mit 90000 Franken die Lesefähigkeit der Kinder verbessern.
Ob Elisabeth Kopp, frühere Gemeindepräsidentin von Zumikon die Idee auch für gut erachtet hätte, bleibe dahingestellt.
Sicher aber ist, dass die Idee auf den ersten Blick in etwa ähnlich exotisch anmutet wie jener Vorstoss von Nationalrätin Elisabeth Kopp damals, den Import von Froschschenkeln zu verbieten.
Von daher wäre es gut möglich, dass Frau Kopp als Gemeindepräsidentin den jüngsten Vorstoss der Gemeindeverantwortlichen mitgetragen hätte.
Man will etwas Tapferes tun gegen die Leseschwächen der Zumikoner Kinderschar. Die ist zwar nicht so gross wie im Landesmittel, doch sie nimmt mehr und mehr zu.
Deshalb soll eine neue Stelle geschaffen werden.
Die Lehrerschaft ist kritisch. Im Tages Anzeiger vom 07.10. 2026 kommt Daniel Kachel zu Wort, Vizepräsident des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbands. Er findet es ungerecht, wenn reiche Gemeinden sich so etwas leisten könnten und alle anderen nicht.
Dass eine Gemeinde überhaupt Handlungsbedarf erkennt, obwohl Lesen und Schreiben zum elementaren Auftrag der Volksschule gehören, führt allerdings zur entscheidenden Frage: Weshalb vermag das bestehende Schulsystem diese Entwicklung offenbar nicht ausreichend aufzufangen? Und wenn hier ein Defizit besteht, müsste dieses dann nicht innerhalb der Volksschule behoben werden, statt durch kommunal finanzierte Zusatzstellen?
Wenn Gemeinden beginnen, mit eigenen Stellen nachzubessern, wo die reguläre Schule offenbar nicht mehr genügt, entsteht tatsächlich ein Präjudiz. Heute ist es die Leseförderung. Was kommt morgen? Eine kommunale Mathematikstelle? Eine zusätzliche Fremdsprachenförderung? Oder gemeindeeigene Nachhilfe, wenn die schulischen Leistungen nicht den Erwartungen entsprechen?
Noch ist die Sache nicht beschlossen. Die Gemeindeversammlung entscheidet am 28. November. Andere Gemeinden sollten genau hinschauen. Denn sollte das Zumiker Modell Schule machen, wäre damit eine grundsätzliche Frage auf dem Tisch: Müssen Gemeinden künftig mit eigenem Geld nachbessern, wenn die Volksschule bei ihren Kernaufgaben an Grenzen stösst?
