Das Safiental hat mit einer klaren Standortförderstrategie Abwanderung gebremst und Zuwanderung gefördert. Ein Blick hinter die Kulissen mit Marco Zinsli, Gemeindeschreiber.

 

 

03.03.2026 – Im ausgehenden Mittelalter zählte das Safiental noch gut und gern rund 2000 Bewohnerinnen und Bewohner. Kleine Weiler, verstreut in den Bergen. Viehwirtschaft und Familienbande. Walsersiedlungen. Doch mehr und mehr wanderten im Zuge der Entwicklung weg, suchten ihr Glück andernorts.

 

Die Abwanderung im Berggebiet ist ein bekanntes Phänomen. Sie ruft nach Massnahmen. 2013 kam es zur Fusion von Safien, Tenna, Valendas und Versam. Im Anschluss daran wurde beschlossen, einen Standortförderung aufzubauen.

 

Basis bilden Erträge aus den Wasserzinsen. Ein Teil davon ist nun für Belange der Standortförderung abgezweigt. Eine Kommission ist eingesetzt. Seither werden zahlreiche Projekte unterstützt, so etwa im Wohnungswesen, in der Beschaffung von Pistenmaschinen für den Unterhalt von Langlaufloipen oder auch für kulturelle Projekte oder die Unterstützung von Jungunternehmertum.

 

Das Instrument hat sich bewährt. Dies zeigt auch eine Evaluation im Februar 2021 durch Felicia Montalta von der Projekt Box GmbH: «Aus heutiger Sicht darf festgehalten werden, dass die Standortförderung ein Instrument ist, das zur Gemeinde Safiental passt und von der Bevölkerung geschätzt sowie akzeptiert wird.» Die latente Gefahr von Ungleichbehandlungen sei der Bevölkerung und den Vergabeinstanzen bewusst.

 

Im Gegensatz zur Berghilfe, die erst nach Abschluss der Projekte allfällige Finanzierungsbeiträge leistet, gehe man in der Standortförderung Safiental in Vorleistung, erläutert Gemeindeschreiber Marco Zinsli im Gespräch.

 

Der Geist der Innovation geht um im Safiental. Schon 2009 entstand der erste mit Solarenergie betriebene Skilift der Welt. Daran hält man fest. Die Abwanderung konnte gestoppt werden. In den letzten fünf Jahren hat sich die Einwohnerzahl sogar um 50 Personen erhöht. «Ziel bleibt es, Junge, die auswärts in der Ausbildung sind oder einer Arbeit nachgehen, für das Safiental zu begeistern,» resumiert Marco Zinsli, aufgewachsen und wohnhaft in Thalkirch, einem Weiler im Safiental.

 

Noch hat keine der umliegenden Gemeinden mit ähnlichen Herausforderungen das Modell der Standortförderung Safiental kopiert. Die Gemeinde bleibt aber offen für das Gespräch. Wichtig sei, so seine Lehre daraus, eine breite Abstützung zu schaffen durch den Einsatz einer Kommission und Transparenz gegenüber der Bevölkerung.