Wenn im Social Media-Feld Kleingemeinden Städte schlagen

Die Lokalpresse stirbt aus. Mehr und mehr Gemeinden nehmen das Heft selber in die Hand und kommunizieren direkt an ihre Bevölkerung. Dabei spielen Social Media Kanäle eine immer grössere Rolle. Eine Studie zeigt jedoch, dass noch viel Potenzial besteht.

05.02.2026 – Thomas Gromann ist Kommunikationsprofi und Herausgeber einer Studie zur Nutzung von Social Media in Gemeinden der ganzen Schweiz. Kleine Gemeinden auf dem Land sind dabei im Schnitt deutlich erfolgreicher als grössere Städte, und in der Romandie wird Social Media von den Gemeinden generell stärker genutzt als in der Deutschschweiz. Vieles hänge allerdings noch immer davon ab, ob Gemeindeverantwortliche selber auf Social Media unterwegs sind, meint Thomas Gromann.

In einer Zeit, in der lokale Medien sterben, wird für Gemeinden die Kommunikation über Social Media Kanäle immer wichtiger, erläutert Thomas Gromann im Podcast von Bruno Hofer Kommunalmanagement. So zeige der Medienmonotor des Bundes auf, wo die Meinungsbildung stattfinde. Hier spielen Social Media eine immer grössere Rolle. Nicht selten finden sich dort keine Informationen von Behörden, und das Feld der Informationsbeschaffung wird manchmal dubiosen, manchmal nur von Meinungen geprägten Absendern überlassen.

Als Beispiel erwähnt Gromann Facebook-Seiten des Typs «Du bist von… wenn». Nicht selten würden sich hier dominante Gruppen zusammenfinden und die Debatte stark beeinflussen. Fakten und Fakes sind dann nicht immer leicht unterscheidbar. «Gemeinden sollten ihre Informationen dort verfügbar machen, wo sich ihre Zielgruppen informieren. Und dazu gehören eben auch Social Media», meint Gromann.

Allerdings nicht dadurch, dass man sich selbst in solchen Gruppen einmischt, sondern indem die Gemeinde ihren eigenen Kanal schafft und bewirtschaftet.

Viele Gemeinden sind dazu übergegangen, dem Niedergang der Lokalpresse mit eigenen Printprodukten zu begegnen. Gromann findet solche Modelle interessant, meint aber, es brauche auch dort einen Omnichannel-Ansatz. Online- und Printinhalte seien miteinander zu verknüpfen, um die Wirkung zu steigern.

Die Nutzung von Social Media koste weniger als viele meinen und bringe mehr als man erwarten würde.

Gromann Partner hat die Social Media Studie bereits zum dritten Mal herausgegeben. Neu sind auch Youtube und Tik Tok untersucht worden. Crossiety, eine in vielen Gemeinden eingesetzten Informationsplattform hat Gromann nicht erfasst. Das Beispiel eigener Apps zeige aber sehr schön das Dilemma, in dem die Gemeinden stecken: Sie möchten ihre Bevölkerung erreichen, aber nicht die Kontrolle darüber verlieren. «Als ob sie diese Kontrolle je besessen hätten.»

Sind Social Media eine so heikle Sache, dass Gemeinden vielleicht besser ganz darauf verzichten sollten? Gromann meint, Gemeinden könnten nicht nicht kommunizieren (Watzlawick). Deshalb rät er allen Gemeinden, über Konzept und Strategie zur Kommunikation zu verfügen.