
«Eine Fusion löst das Problem der Zentrumslasten nicht automatisch»
Gabriel Macedo fordert als Stadtpräsident von Amriswil ein stärkeres Engagement des Kantons zur Regelung der Bürde der Zentrumslasten. Ein Interview.
10.01.2026 – Es ist überall ein Thema: Zentren fordern Abgeltungen vom Umland. Jetzt in Thurgauer Gemeinden. Der Thurgau besteht aus 12 Zentren und darum herum ein Umland mit 68 Gemeinden. Ein Schweizer Kanton, der für Seriösität und Klarheit bekannt ist.
Thurgauer Zentrumsgemeinden beklagen mangelnde Solidarität der Umlandgemeinden und fehlende Unterstützung durch den Kanton.
So insbesondere Amriswil. Gabriel Macedo, Stadtpräsident, beantwortet die Fragen des Kommunal-Newsletters.
Herr Macedo, was soll der Kanton für Amriswil tun?
Der Kanton soll nicht Amriswil als einzelne Gemeinde bevorzugen, sondern den Finanzausgleich so ausgestalten, dass Zentrumslasten dort abgegolten werden, wo sie effektiv anfallen. Amriswil übernimmt, wie andere Gemeinden oder Städte mit Zentrumsfunktionen, Aufgaben für die ganze Region. Diese Aufgaben sind gesetzlich vorgegeben und verursachen nachweislich höhere Kosten. Es geht deshalb nicht um Sonderwünsche, sondern um eine faire und systematisch korrekte Abgeltung im bestehenden Finanzausgleich.
Warum der Weg über den Kanton?
Das ist kein Umweg, sondern der vorgesehene und richtige Weg. Zentrumslasten entstehen, weil Aufgaben kantonal geregelt sind und Infrastrukturen von weit über die Gemeindegrenzen hinaus genutzt werden. Der Finanzausgleich ist genau dafür geschaffen worden, solche strukturellen Unterschiede auszugleichen. Ein Problem, das den ganzen Kanton betrifft, kann nicht mit einzelnen lokalen Lösungen gelöst werden, sondern braucht eine kantonale Antwort.
Warum kein Vertrag mit den umliegenden Gemeinden?
Weil Zentrumslasten nicht sauber vertraglich abgegrenzt werden können. Die Nutzung von Verkehrsknoten, Sozialdiensten, kulturellen Angeboten oder Freizeitinfrastruktur ist dynamisch und lässt sich nicht einzelnen Gemeinden zuordnen. Zudem handelt es sich vielfach um Pflichtaufgaben, nicht um freiwillige Leistungen. Einzelverträge würden zu einem unübersichtlichen Flickenteppich führen und das Grundproblem nicht lösen.
Warum keine Benutzerreglemente nach Wohnsitz?
Solche Regelungen sind nur sehr eingeschränkt möglich und würden neue Probleme schaffen. Viele Leistungen sind nicht individualisierbar und unterschiedliche Tarife nach Wohnsitz wären administrativ aufwendig, rechtlich heikel und politisch schwer vermittelbar. Zentren müssen offen funktionieren, weil sie bewusst für die ganze Region da sind. Eine Abschottung über Tarife würde der regionalen Zusammenarbeit schaden.
Warum keine Fusion mit Nachbargemeinden?
Eine Fusion löst das Problem der Zentrumslasten nicht automatisch. Auch eine fusionierte Gemeinde bleibt ein Zentrum mit überregionalen Aufgaben und entsprechenden Kosten. Zudem sind Gemeindefusionen politische Entscheidungen der Bevölkerung und kein Instrument, um strukturelle Mängel im Finanzausgleich zu korrigieren. Der Finanzausgleich muss unabhängig von Gemeindestrukturen fair funktionieren.
Vielen Dank für dieses Gespräch.






