
Ein digitaler Stadtplan ist eine tolle Sache
Wenn Sie eine kleine Gemeinde sind, haben sie wohl keinen. Grosse Gemeinden wie die Stadt Bern hingegen schon. Einen digitalen Stadtplan. Und es ist faszinierend, was darin alles ersichtlich ist. Und nun sind neue Funktionen verfügbar. Testen Sie es aus.
03.11.2026 – Nehmen wir einmal an, Sie spazieren durch die Stadt Bern und wundern sich. Da gibt es eine Nägeligasse. Sie liegt parallel zur Zeughausgasse. Wo kommt wohl der Name her und was ist der Ursprung dieser Verbindung? Hat es etwa mit einer Nagelfabrik zu tun? Oder mit einem Herrn Nägeli? Wenn ja, mit was für einem Herrn Nägeli? Es geht um Hans Franz Nägeli, um 1500–1579, Feldherr und Schultheiss. Und entstanden ist sie nach dem Abbruch des Grossen Zeughauses und dem Bau der Neuen Mädchenschule. Seit dem 19. November 1877 trägt sie ihren Namen.
Dieses ist nicht die einzige neue Funktion im digitalen Stadtplan der Stadt Bern. Auch offizielle Flur- Orts- und Gewässernamen der Stadt Bern sind unter «Nomenklatur» nun verschriftlicht. «Enthalten sind auch Namen, die heute kaum mehr gebräuchlich sind, aber historisch wertvolle Einblicke bieten,» schreibt Bern in der dazugehörigen Medienmitteilung.
Gemäss dem Geodatenkatalog enthält das Geoportal Bern umfassende Informationen über Abfallanlagen, Sammelstellen, Abfallrouten, Orte der Abkühlung im Sommer, Alarmierungsrouten, Bankomaten, Baugesuchsplan, Carsharing, Freihalteflächen für Bäume, ein Garteninventar, Sakralbauten, Schwimmbäder und vieles andere mehr.
Das Instrument des Berner Geoportals hat viele Nutzergruppen. Neben der Einwohnerschaft adressiert es die Touristenschar in gleicher Weise wie die Mitarbeitenden der Verwaltung, deren Arbeit dadurch erleichtert wird. Im Netz verfügbare Informationen sparen Suchkosten. Auch die Wirtschaft profitiert. Der Bau kann zugreifen auf Grundstücke und Gebäude. Bern ist mit seinem Geoportal nicht allein.
Zürich bietet ein umfangreiches Geodatenportal mit spezialisierten Anwendungen. Dazu gehören ein Leitungskataster, Informationen zu Grundstücken, ein Energie-GIS sowie «Zürich virtuell», das die Stadt dreidimensional zugänglich macht. Mit «Zürich 4D» lässt sich zudem die bauliche Entwicklung im zeitlichen Verlauf betrachten.
Basel stellt mit MapBS ein interaktives Geoportal zur Verfügung. Die digitale Karte ist auch mobil nutzbar. Neben der öffentlichen Orientierung dient die Geoinformation als Grundlage für Verwaltungsaufgaben und Dienstleistungen für Unternehmen.
Winterthur bietet einen kostenlosen digitalen 2D-Stadtplan, der sowohl auf dem Computer als auch auf mobilen Geräten unter derselben Adresse genutzt werden kann. Das Beispiel unterstreicht, dass einfache Zugänglichkeit selbst ein wichtiger Qualitätsfaktor ist.
Der Kanton Luzern geht einen besonders interessanten Weg: Sein Geoportal erschliesst über 80 Kartenthemen und stellt zahlreiche Geodaten kostenlos zur Verfügung. Die Plattform umfasst unter anderem historische Luftbilder, Eigentümerabfragen und verschiedene Grundkarten. Der gemeinsame kantonale Ansatz ermöglicht es auch kleineren Gemeinden, von einer leistungsfähigen Infrastruktur zu profitieren.
Die entscheidende Frage lautet nicht, wie viele Einwohnerinnen und Einwohner eine Gemeinde hat. Entscheidend ist vielmehr, wie viele Aufgaben sich mit denselben Daten besser erledigen lassen.
Eine Gemeinde mit 3’000 Einwohnern benötigt kaum ein eigenes, technisch aufwendiges Geoportal nach dem Vorbild Zürichs. Sie kann aber durchaus von einem digitalen Ortsplan profitieren, der beispielsweise öffentliche Einrichtungen, Wanderwege, historische Sehenswürdigkeiten, Nutzungsplanung oder laufende Entwicklungsprojekte erschliesst.
Besonders attraktiv erscheint deshalb die interkommunale Zusammenarbeit.
Warum sollten fünf Nachbargemeinden fünf getrennte Systeme aufbauen? Ein gemeinsamer digitaler Regionalplan könnte dieselbe technische Infrastruktur nutzen und gleichzeitig die Besonderheiten jeder einzelnen Gemeinde sichtbar machen.
Denkbar wäre beispielsweise eine Plattform für eine ganze Region mit gemeinsamen Wander- und Velowegen, touristischen Sehenswürdigkeiten, Gewerbestandorten, öffentlichen Einrichtungen und raumplanerischen Grundlagen.
Der Vorteil: Die technischen Fixkosten verteilen sich auf mehrere Gemeinden. Die Informationen werden regional zusammengeführt, während jede Gemeinde ihre eigenen Inhalte pflegen kann.
Das Luzerner Beispiel zeigt, dass gemeinsame kantonale Infrastrukturen bereits heute eine tragfähige Grundlage dafür bieten.
Denkbar ist zudem der Einbezug von Tools, die es auch ermöglichen, mit 3D-Modellen zu experimentieren und herumzuspielen. Das würde aus einem Geoportal eine echte Entwicklungsplattform werden lassen.
