
«Die Deutlichkeit hat uns beeindruckt»
In der Schweiz werden immer mehr Firmen gegründet. Eine wirklich grosse Überlebensgarantie haben allerdings nur jene, die begleitet werden. Interview mit Simon May von der Startup-Förderung IFJ.
20.01.2026 Im Gesprach mit der Plattform Kommunalmanagement erörtert Simon May, Co-Geschäftsführer des IFJ Institut für Jungunternehmen mit Zweigstellen in St. Gallen, Schlieren, Lausanne und Lugano die Entwicklung und einige Hintergründe.
Kommunalmanagement: Herr May: Schon wieder haben die Neugründen im abgelaufenen Jahr zugenommen. Haben Sie das erwartet? Und wenn ja oder nein warum (nicht)?
Simon May: Ja, der Zuwachs im Jahr 2025 mit 55’654 Neugründungen (+5,1 % gegenüber dem Vorjahr) war für uns absehbar, wenn auch die Deutlichkeit beeindruckt. In den letzten 10 Jahren stiegen die Firmengründungen in der Schweiz um +33.7%.
Die Schweiz bietet enorm gute Rahmenbedingungen: wirtschaftliche und gesetzliche Stabilität, kompetitives Steuersystem, traditionell hohe Kaufkraft und ein innovationsfreundliches Umfeld machen die Schweiz weiterhin attraktiv als Gründungsstandort. Auch dürfen wir nicht vergessen, dass mehr als jede/r 10. arbeitstätige Person in der Schweiz selbständig ist und die Firmenlandschaft sich stetig erneuert. Sprich die meisten Neugründungen sind nicht neu im Sinne von Hochinnovation, sondern sind ebenso eminent wichtig für das gute Funktionieren unserer Volkswirtschaft.
Neugründungen sind ja schön. Aber wie viele davon sind längerfristig lebensfähig?
Die nackten Zahlen der Neugründungen sind das eine, die Substanz das andere. Historisch gesehen zeigt sich in der Schweiz ein stabiles Muster: nach einem Jahr existieren 85%, nach drei Jahren um die 70% und nach fünf Jahren um die 55%. Diese Raten müssen mit Vorsicht betrachtet werden, da es viele Gründungen gibt, welche nicht einem durchschnittlichen Jungunternehmen mit eigenem wirtschaftlichem Schaffen entsprechen. Es gibt viele neue Firmen, welche dazu dienen, Immobilien zu bewirtschaften, befristete Arbeiten auszuführen oder für Steuerersparnisse gegründet werden. Dies spielt in die Dynamik von Gründungen und Firmenschliessungen direkt ein. Wir analysieren regelmässig die nachhaltige Entwicklung der von uns unterstützten Firmen – da herrscht ein ziemlich klares Bild. Wir können festhalten, dass begleitete Unternehmen eine Überlebensrate nach fünf Jahren von 85% aufweisen. Es lohnt sich, den Schritt in die (Teil)Selbständigkeit gut zu planen und mit professioneller Hilfe voranzutreiben.
Nehmen wir die Neugründungen etwas auseinander: Wie viele sind Ein-Personen-Gründungen? Wie hoch ist der Prozentsatz an Dienstleistungsfirmen? Wie viele sind Ausgründungen von Hochschulen? Wie ist hier die Zunahme?
Rund 80% aller Neugründungen starten als Einpersonenbetrieb, dies unabhängig von der Rechtsform. Aktuell stellen wir fest, dass im Jahre 2025 die Rechtsform „Einzelfirma“ seit längerer Zeit leicht rückläufig (-1,7 %) ist. Es werden dafür mehr Kapitalgesellschaften, v.a. GmbH, gegründet, worin die Trennung von Privat und Geschäft schärfer erfolgt. Die Schweiz ist traditionell ein Dienstleistungsland. So verwundert es wenig, dass um die 87% der Neugründungen im tertiären Sektor (Dienstleistungen) gestartet werden. In diesen Branchen wird aktuell am meisten gegründet: Beratungen, Handwerk und Immobilienwesen. Aus Schweizer Hochschulen werden jährlich 300 bis 500 Spin-offs gegründet. Zahlenmässig klein, aber für die Hoch-Innovationskraft der Schweiz von höchster Bedeutung. Die Anzahl dieser Deeptech basierten Startups sind u.a. abhängig von der Aktivität der Investoren. Im Jahr 2024 wurden in der Schweiz CHF 2.4 Mrd. in 357 Finanzierungsrunden in Startups investiert.
Wie sieht die Finanzierung aus? Wie viele gründen mit eigenem Geld und wie viele erhalten einen Zustupf? Und vor allem: wie viele sind echte Innovationsgründungen und nicht «nur» ein Friseurgeschäft mehr? Und natürlich: Wie viele davon haben mit Hilfe des IFJ gegründet?
Die Frage nach dem „Friseurgeschäft vs. Hightech“ ist in Bezug auf die Innovationskraft der Schweiz berechtig. Über 90% aller Firmengründungen werden aus Eigenmitteln inkl. Unterstützung aus dem nächsten Umfeld gestartet. Wie in der vorhergehenden Frage ersichtlich, fliessen signifikante Risikoinvestitionen in die anteilsmässig wenigen Tech-Startups. Wir müssen jedoch festhalten, dass es für unser Land enorm wichtig ist, dass Gründungen in allen Branchen, wie auch Friseurgeschäfte, erfolgen. Die stetige Erneuerung des Firmenbestandes ist relevant für eine gut funktionierende Schweiz. Das IFJ ist Branchenführer in der Schweiz in der Unterstützung von Firmengründungen. Mehr als jede 10. Gründung eines Neuunternehmens wird durch uns juristisch ausgeführt. Wir unterstützen dafür jährlich 20’000 Gründer/innen und Unternehmer/innen mit kostenlosen Kursen, Beratung und viel Wissen, Tools, Förderprogrammen, regionalen Events sowie den schweizweit meistgenutzten digitalen Services zur Firmengründung und allen Handelsregisteränderungen. Kombiniert mit ergänzenden Services und Dienstleistungen. Ergänzend stehen uns namhafte Partner an der Seite, welche die Gründer/innen zusätzlich in den wichtigsten Themen wie Versicherungen und Vorsorge, Banking, Infrastruktur, Buchhaltung, Steuern, Marketing und Verkauf u.s.w. tatkräftig unterstützen.
Für mich als Standortförderer die zentrale Frage: Wie oft stehen Organisationen der Standortförderung dahinter?
Die kantonalen, regionalen oder kommunalen Standortförderungen sind von enormer Wichtigkeit. Sie tragen aktiv zu den hervorragenden Rahmenbedingungen bei, fördern Gründungen und Ansiedlungen sowie die Bestandespflege ansässiger KMU. Wir dürfen in 21 Kantonen Zusammenarbeiten mit Wirtschafts- und Standortförderungen ausführen und sind dabei in allen Landesteilen im Einsatz. Auch ist der Service Start.swiss bei mehr als 200 Gemeinden im Einsatz.
Vielen Dank für dieses Gespräch.
Interview: Bruno Hofer Kommunalmanagement






