Die Fusionswelle ist verebbt

Sollen Gemeinden fusionieren oder die interkommunale Zusammenarbeit stärken? Gespräch mit Lukas Rühli von Avenir-Suisse, der hierzu eine umfassende Studie verfasste.

03.03.2026 – Es war eine Enttäuschung: Nach umfangreichen Vorarbeiten und einem jahrelangen Prozess scheiterte die Fusion der vier Gemeinden Endingen, Lengnau, Schneisingen und Tegerfelden am 23. Juni 2025. Ich habe dazu mit Ralf Werder einen Podcast durchgeführt.

Doch das Thema lässt mich nicht los. Deshalb habe ich einen Fachmann interviewt, der 2012 eine umfassende Studie dazu verfasst hat. Es ist Lukas Rühli vom Avenir-Suisse.

In dieser auch heute noch sehr lesenswerten Studie vergleicht Rühli die Struktur der Schweizer Gemeinden mit dem Ausland und zeichnet unter anderem die Fusionsgeschichte in der Schweiz nach.

Er kommt zum Schluss, dass die Fusionswelle am Abebben sei. Als Grund nennt er die allgemein gute finanzielle Situation, in der sich die Gemeinden seit vielen Jahren befinden. Der Anteil der Gemeinde-Ausgaben am Gesamttotal aller Staatsausgaben bewege sich seit 2008 ungefähr stabil bei plusminus 20 Prozent. Befragungen würden auch aufzeigen, dass die Gemeinden urteilen, dass ihre Autonomie eher gestiegen sei.

Aus den Augen verlieren solle man das Fusionsthema aber nicht, meint Rühli weiter und verweist auf den Kanton Freiburg als Modell, der Anfangs der 2000er Jahre viele Fusionen sah und es anschliessend auch zu einer zweiten Welle kam. Hier habe der Kanton eine strategische Führungsrolle übernommen mit einem veritablen Konzept, wie die Gemeindelandschaft aussehen sollte. Gemeinden, die sich in vorgegebenen Perimetern einordneten, wurden mit einem finanziellen Bonus des Kantons zusätzlich belohnt.

Die vielfältige Praxis der interkommunalen Zusammenarbeit (IKT) beurteilt Rühli als sehr positiv. Wünschenswert aus seiner Sicht wäre jedoch eine Intensivierung im Bereich der Digitalisierung.