
13.01.2026 – Das rund 6600 Einwohner zählende Oberägeri im Kanton Zug ist vieles: steuerlich attraktiv, baulich dynamisch, wohlhabend. Nun kommt eine Rolle hinzu, die man dort bisher nicht kannte: Die Gemeinde wird zur Betreiberin einer Arztpraxis.
Das Problem: Der Landarzt ist ein Auslaufmodell. Wer Medizin studiert, will anschliessend in die Spitzenmedizin mit hohem Salär, geregelten Arbeitszeiten und guten Arbeitsbedingungen.
Es ist ein strukturelles Problem: Es gibt es immer weniger Allgemeinpraktiker in der Schweiz, weil viele pensioniert und kaum ersetzt werden. Einer Umfrage mit 354 Medizinstudenten zufolge ist die Lust auf Allgemeinmedizin stark abnehmend. Die meisten zieht es ins Spezialistentum.
Der Mangel wird sich weiter verschärfen, wie eine in der NZZ vom 06.01.2026 erwähnte Studie ausweist. Das führt dazu, dass die Grundversorgung auf dem Land gegenüber jener in der Stadt immer dünner wird.
Glücklicherweise stellen sich da und dort Allgemeinpraktiker auch über die Pensionsgrenze hinaus weiterhin zur Verfügung. Eine andere Methode ist die Schaffung von Gemeinschaftspraxen, was die Work-Life-Balance von Ärzten auch erhöhen dürfte.
Wo aber gar nichts hilft, sind unorthodoxe Massnahmen gefragt. So hat die Gemeinde Oberägeri beschlossen, den bestehenden Gesundheitspunkt zu übernehmen. Zwei Ärzte haben ihn betrieben, wobei der eine, Joachim Henggeler (81) sich altershalber zurückzieht. Emil Schalch (72) bleibt an Bord und gesucht werden neue Ärzte.
Ob sich jemand meldet, steht auf einem anderen Blatt. Oberägeri ist nicht die erste Gemeinde, die diesen Versuch wagt. Wie Journalist Erich Aschwanden im bereits erwähnten NZZ-Artikel recherchiert hat, gibt es bereits Versuche in den Kantonen Aargau (Muri, Meisterschwanden) Bern (Schwarzenburg) und Schaffhausen (Beringen). Auch die Nachbargemeinde Unterägeri reagiert. Dort soll ein gemeindeeigenes Ärztezentrum im April 2026 den Betrieb aufnehmen.
Wenn der Hausärztemangel weiter ungelöst bleibt, werden Gemeinden die medizinische Grundversorgung selbst sichern müssen – so wie sie es beim Bau von Alters- und Pflegeheimen längst tun. Die Frage ist nicht mehr, ob sie das dürfen, sondern ob sie es sich leisten können, es nicht zu tun.






