Wissen Sie, welche Schadstoffe in Ihren Gemeindegewässern stecken?
Der WWF macht Pestizidbelastungen in Schweizer Gewässern jetzt auf interaktiven Karten sichtbar. Für Gemeinden ist das gerade heute eine Gelegenheit, die Qualität der Gewässer vor der eigenen Haustüre zu entdecken und die Standortattraktivität zu überprüfen.
Wie sauber sind die Bäche, Flüsse und Grundwasservorkommen in Ihrer Gemeinde? Welche Pestizide wurden dort nachgewiesen? Und wie hat sich die Belastung in den vergangenen Jahren entwickelt?
Der WWF Schweiz hat interaktive Karten veröffentlicht, auf denen sich Pestizide und deren Abbauprodukte im Grundwasser und in Fliessgewässern nachvollziehen lassen. Die Daten umfassen die Jahre 2019 bis 2024 und stammen aus den nationalen Messprogrammen des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) und der Kantone.
Besonders interessant für Gemeinden: Die Karten zeigen nicht bloss allgemeine Umweltprobleme. Sie ermöglichen es, einzelne Messstellen anzuklicken, Schadstoffkonzentrationen einzusehen und Entwicklungen über mehrere Jahre zu verfolgen.
Dabei geht es um mehr als den Schutz der Natur. Rund 80 Prozent des Schweizer Trinkwassers stammen aus Grundwasser. Eine gute Wasserqualität ist deshalb ein wichtiger Teil einer attraktiven Wohnregion – und ein Standortvorteil für Gemeinden, in denen die Belastung mit Pestiziden tief ist.
Die lange Liste der nachgewiesenen Stoffe darf aber nicht so gelesen werden, als seien alle Pestizide gleich problematisch. Ihre Wirkung hängt unter anderem von der Giftigkeit, der Konzentration, der Dauer der Belastung und davon ab, wie lange ein Stoff in der Umwelt bleibt. Auch Abbauprodukte können relevant sein: Manche sind weniger problematisch als der ursprüngliche Wirkstoff, andere bleiben lange erhalten oder können ebenfalls unerwünschte Wirkungen haben.
Für Gemeinden ist deshalb nicht allein entscheidend, wie viele verschiedene Stoffe gefunden wurden. Wichtiger sind die gemessenen Konzentrationen, wiederholte Überschreitungen, die Entwicklung über mehrere Jahre hinweg und die Frage, ob ein Stoff im Grundwasser, in einem Fliessgewässer oder in einem Einzugsgebiet der Trinkwasserversorgung vorkommt. Fachleute helfen in der Beurteilung.
Eine allgemeine Rangliste der «gefährlichsten» Pestizide wäre somit irreführend.
Gemeinden können die WWF-Karten nutzen, um die Qualitäten ihres Standorts sichtbar zu machen:
Wo die Pestizidbelastung tief ist, lässt sich dies als Teil einer positiven Standortgeschichte erzählen: Hier lässt es sich gut bauen, wohnen und leben. Saubere Gewässer, intakte Landschaften und eine verlässliche Trinkwasserversorgung sind Werte, die für Familien, Unternehmen und künftige Bewohnerinnen und Bewohner zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Wichtig ist allerdings eine Unterscheidung: Die WWF-Karten zeigen die Belastung von Gewässern und Grundwasser, nicht die Qualität des aufbereiteten Trinkwassers aus dem Wasserhahn. Zudem sind die Messstellen nicht flächendeckend verteilt. Fehlen lokale Daten, bedeutet dies nicht automatisch, dass keine Schadstoffe vorhanden sind.
Die Karten sind eine Chance, die Wasserqualität und die natürlichen Qualitäten Ihrer Gemeinde zu entdecken. Wo die Belastung tief ist, kann dies ein überzeugendes Argument für die Gemeinde als attraktiven Ort zum Bauen, Wohnen und Sein sein. Wo auffällige Stoffe oder Entwicklungen sichtbar werden, lohnt sich eine fachliche Abklärung – besonders dann, wenn langlebige, mobile oder ökotoxische Wirkstoffe betroffen sind.
Hier geht es zu den interaktiven Karten des WWF:

