Noch sieben Monate haben die Verantwortlichen Zeit. Dann gilts ernst. Ab 1. Januar des nächsten Jahres steht im Aargau die flächengrösste Gemeinde Zurzach mit 26 Quadratkilometern am Start. Sie liegt am Nordrand. Grenze zum Rhein. Umfasst die neun Gemeinden Bad Zurzach, Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen. Und verfügt über zahlreiche Besonderheiten.

So umschliesst sie eine Gemeinde mit Namen Mellikon, die partout ablehnte und nun zur Enklave wird. Sie beherbergt Kaiserstuhl, die flächenkleinste Stadt der Schweiz, die neben Fisibach liegt und nun zur Exklave wird, weil Fisibach nicht mitmacht.

Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass mit Andi Meier ein ausgewiesener Verwaltungsfachmann die politische Leitfigur wird. Der Gemeindeschreiber im Gemeindeverband «Verwaltung 2000» kennt die Problematik von Zusammenlegungen und auch die Region wie seine Hosentasche. Vor der Fusion schlossen nämlich die Gemeinden Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Mellikon, Rekingen, Rümikon und Wislikofen schon mal ihre Verwaltungen zusammen. Der Vorläufer der Grossfusion.

Meier ist jedoch keiner aus Bad Zurzach. Wie auch drei weitere Mitglieder der Exekutive nicht. Nur drei von sieben Mitgliedern in der Exekutive stammen aus der Kern-Fusionsgemeinde. Die Mehrheit haben andere. Sie stammen aus Böbikon, Kaiserstuhl, Rekingen und Wislikofen stammen.

In der Umsetzungsphase sind nun viele Kommissionen und findige Köpfe am Werk. Die Projektplattform Rheintalplus dokumentiert jeden Schritt. Chef dieser Umsetzungskommission ist Reto S. Fuchs, der früher Gemeindepräsident von Bad Zurzach war.

Die Herausforderung besteht nun darin, alle gleich zu behandeln. Denn zuvor beklagten die sogenannten Studenlandgemeinden schon ab und an eine gewisse Dominanz jener aus dem Bäderort Bad Zurzach.

Auch Ruedi Weiss, noch-Stadtpräsident von Kaiserstuhl setzt sich aktiv dafür ein, dass die Vorzüge des Standorts trotz verändertem politischen Umfeld eigenständig präsentiert werden, wie er im Gespräch mit Hofer Kommunalmanagement betont. „Es geht darum, alle Trümpfe der verschiedenen Teile in die neue Gemeinde Zurzach einzubringen.“ 

Jetzt läuft eine Offensive an zur Schaffung eines neuen Wir-Gefühls. Dies soll nun durch eine Offensive in den Social-Media-Kanälen geschehen. Vor allem die Zukunft ist adressiert: «Nach den Sommerferien werden wir ganz mutig» berichtet Marion Marty in der Aargauer Zeitung vom 21.05.2021. Es gehe darum, den Kindern ab sofort eine Stimme zu geben. In 15 Sekunden-Videos kann die Gemeinde-Zukunft auf TikTok, Twitter, Facebook, Pinterest und sogar auf der eigens eingerichteten Plattform Crossiety Aufsehen erregen und das Wir-Gefühl stärken.