Ennetbaden, 27.03.20205 – Staus auf den Autobahnen haben oft direkte Rückwirkungen auf die Durchfahrten in Gemeinden. Rückstaus sind ärgerlich. Und sie verursachen viele Folgekosten. Nicht nur emotionale, auch monetäre. Verkehrsmassnahmen werden oft erforderlich. Doch dafür braucht es Grundlagen. Gute, nachvollziehbare und umfassende Daten sind unerlässlich. Doch die sind offenbar nicht vorhanden. Die jüngsten Stauzahlen und deren Entwicklung wurden unlängst von Avenir Suisse auf Herz und Nieren überprüft. Das Ergebnis ist nicht gerade berauschend, wie Autor Lukas Rühli gegenüber diesem Newsletter betont.

 

Herr Rühli, Sie argumentieren in einem Blog, die Stauzunahme sei nicht so stark wie dargestellt. Wir Menschen stehen aber gefühlt immer länger im Stau. Täuschen wir uns?

Lukas Rühli: Nein. Aber ich zweifle an Zahlen des Bundes. Zum einen scheint mir ausgewiesene Stauzunahme der letzten Jahre überschätzt, zum anderen aber das Stauniveau unterschätzt. Nach einer gründlichen Analyse komme ich zum Schluss, dass irgendetwas in den Statistiken nicht stimmen kann. In einer Studie von 2022 wurde nach der einen Methode ermittelt, dass 68 Prozent aller Fahrzeug-Staustunden auf Autobahnen stattfinden. In derselben Studie ergibt eine andere Methode mit 17 Prozent Autobahnanteil eine komplette Umkehr der Verhältnisse. Niemand kann mir das erklären.

Mit welcher Methode wird heute das Thema Verkehrsstau statistisch abgebildet?

Man stützt sich auf Viasuisse. Das sind Staumeldungen, wie wir sie im Radio hören. Ein Beispiel: Staut sich der Verkehr vor dem Gotthardtunnel z.B. von 8 bis 19 Uhr, dann sind das elf Staustunden. Welche Wartezeit dabei die Fahrzeuge (bzw. deren Insassen) in Kauf nehmen mussten und wie viele Autos bzw. Personen betroffen waren, ist damit nicht gesagt. Die Erfassung solcher Staustunden erfolgt nach wie vor weitgehend manuell. Flächendeckende Echtzeitdaten existieren nicht.

Ist die aktuelle Vorgehensweise aus Ihrer Sicht etwas altmodisch?

Es gibt in der Tat modernere Methoden zur Erfassung von Staus. An automatischen Verkehrszählstellen können im Nationalstrassennetz der Verkehrsfluss (Fahrzeuge pro Stunde) und die Verkehrsdichte (Fahrzeuge pro Kilometer) erfasst werden. Damit kann der Verkehrszustand in die Kategorien «stabil» und «instabil» unterteilt werden. Denkbar ist auch eine Auswertung von GPS-Daten. Auf Autobahnen beträgt hier der Abdeckungsgrad immerhin 2/3.

Egal wie man misst, Staus sind eine Realität. Was schlagen Sie zu dessen Behebung vor?

Wenn es mit dem Kapazitätsausbau hapert, stellt sich die Frage, wie die vorhandenen Kapazitäten effizienter genutzt werden können. Hier hätte ein Mobility Pricing eine vertiefte Abklärung verdient. Es geht um einen zeitabhängigen Preis, der erhoben werden müsste. Dabei muss allerdings sichergestellt werden, dass das gesammelte Geld wieder an die Bevölkerung zurückerstattet wird.

 

Bild: Lukas Rühli, zvg

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