Zigistummel, Coladosen, Corona-Masken: Weggeworfen wird viel. Kleines Zeug. Achtlos, verantwortungslos, kurz: Eine Sauerei ist das. Man nennt es auf Neudeutsch «Littering». Ich kenne kaum eine Gemeinde, die davon nicht betroffen wäre. Mehr oder weniger jedenfalls. Littering ist ein Spiegel der Gesellschaft. Ein Zeichen von Kinderstube. Was tun dagegen? Die Zahl und Positionierung von Abfalleimern ist sicher eine gute Sache. Ein Schritt in die richtige Richtung. Konkrete Ahndung von Verstössen (Littering ist gesetzlich verboten) könnte auch einen Beitrag leisten. Im Ausland bekannt ist das Beispiel von Singapur. Hier wird (gemäss Wikipedia) mit umgerechnet 720 Dollar gebüsst, wer auch kleine Dinge wie eine Kaugummi-Verpackung oder einen Plastikbecher auf die Strasse wirft. Ganz so weit ist man hierzulande (noch) nicht, aber teilweise kommen Güsel-Ranger zum Einsatz, um Abfall-Sünder zu jagen, zu stellen und ins Gebet zu nehmen. Weitere Möglichkeiten sind Schimpfen und Jammern. Beklagen des Zustandes. Was wenig bringt, aber Luft verschafft. Eine weitere Möglichkeit wären Lektionen in Schulzimmern. Aufklärung über Themen wie Vermüllung, Messi-Syndrom, Fortwerf-Gruppendruck, und ähnliches. Ueli Lütolf vermag all das wohl nur ein müdes Lächeln abringen. Der Gemeindepräsident von Villmergen braucht keine diesbezüglichen Aktionen. Die Gemeinde im Aargau darf dankbar sein, Persönlichkeiten in ihren Reihen zu wissen, die weder klagen noch jammern, sondern einfach anpacken. Wie die Aargauer Zeitung in ihrer Ausgabe vom 04.01.2022 schreibt, ist Hermann Widmer (88) täglich unterwegs. Bewehrt mit Sack und Zange, um das «Gschmeus» zu sammeln und zu entsorgen. Notfalls klaubt er Eingeklemmtes auch mit einer langen Schraube frei. Zwei schwarze 110 Liter-Säcke pro Woche schafft der rüstige Rentner auf seinen Spaziergängen, die seiner Gesundheit guttun und einen gratis-Dienst an der Gesellschaft darstellen. Das Bauamt der Gemeinde holt die Säcke jeweils bei ihm in der Tiefgarage ab. Liebe Gemeindeverantwortliche: sollten auch Sie in ihrer Gemeinde mit Littering-Problemen konfrontiert sein, wenden Sie sich an Villmergen. Vielleicht kann Gemeindepräsident Lütolf verraten, wie das Dorf es schaffte den Bürgersinn auf der Entsorgerseite zu kultivieren. Möglicherweise gibt es in Villmergen bereits Ansätze, damit der Funken des Bürgersinns auch auf jene Personengruppen überspringt, die heute noch dafür sorgen, dass Hermann Widmer einen Aufräum-Sinn in seinen Spaziergängen findet. Es wäre jedenfalls zu hoffen.

Ihr

Bruno Hofer

05.01.2022