Frauenfeld, in der Ostschweiz gelegen, sorgt nicht jeden Tag für landesweite Schlagzeilen. Die Ostschweizer Stadt mit ihrem schönen Schloss lädt zum Bummeln ein. Zumindest empfiehlt dies Stadtpräsident Anders Stokholm auf der Begrüssungsseite der Gemeindewebseite.

Jetzt aber wird eher gelesen statt gebummelt. Und zwar überall.

„Wahlfälschung in Frauenfeld – ein rabenschwarzer Tag für die Demokratie“ Titelt der Tages Anzeiger. „Frauenfeld: Prozess wegen Wahlfälschung“, schreibt das St. Galler Tagblatt. „Ex-Stadtschreiber: Ein Wahlfälscher oder ein Bauernopfer? sinniert die NZZ.

Und 20 Minuten bringt es sachlich auf den Punkt: «Ehemaliger Stadtschreiber wegen Vorwurf der Wahlfälschung vor Gericht».

Da werden alle schönen Aktionen der Standortinformation und der Standortvermarktung mit einem Wisch arg beeinträchtigt.

Dabei liesse sich Frauenfeld wirklich sehen. Die Webseite ist glänzend aufgemacht. Konsistent und übersichtlich sind die Darstellungen, hier kann man sich sehr gut zurechtfinden. Einzig die Wirtschaft fehlt in der Grobübersicht. Einen Bereich für Standortförderung im engeren Sinn scheint auch nicht auf den ersten Blick auffindbar. Dafür werden sogar die Neugeborenen bereits willkommen geheissen und erhalten seit dem 1. Juli ein «Willkommenspaket». Das ist nette Wohnortförderung. Die Eltern dürften sich sicher über diese Aufmerksamkeit freuen.

Wenn nun in diese schier heile Welt ein Wahlkrimi platzt, der in der ganzen Schweiz für Aufsehen sorgt, so hat dies vor allem eine Ursache: In der ganzen Deutschen Schweiz gibt es fast nur noch eine einzige Zeitung. Wer beispielsweise die Aargauer Zeitung abonniert, liest dort über Frauenfeld. Wer eine Innerschweizer Zeitung abonniert, sagen wir die Luzerner Zeitung, liest dort über Frauenfeld. Und so weiter. Die ganze Schweizer Presse ist zum Kopfblatt geworden mit regionalen Ergänzungsnachrichten. Die meisten merken das gar nicht. Sie lesen ja nur ihre lokale Ausgabe und nehmen nicht wahr, dass ihr Pendent irgendwo im Land dasselbe liest. 

Das ist es, was den Grund ausmacht, dass lokale Geschichten  mit Skandalisierungspotential die Aufmerksamkeit überall im Land finden. Mit der entsprechenden Wirkung auf das Image.

Vor ein paar Jahren noch hätte wohl der Frauenfelder Wahlkrimi eine Erzählung für das Lokale, höchstens noch für die Region ergeben. Denn in anderen Regionen hätte man sich mit hausinternen Geschichten beschäftigt. Heute aber wird über weniger, dafür umso plakativer berichtet. In der Ausgabe von CH Media vom 07.07.2021 ist Frauenfeld eine ganze Seite gross. Was dem Trend exakt entspricht. Früher fanden auf einer Zeitungsseite x-Artikel ihren Platz. Auch kleinere. Heute wird rasch ein Thema zum ganzseitigen Ereignis, welches oft der Bedeutung überhaupt nicht entspricht. 

Was bedeutet das nun für das Reputationsmanagement in Gemeinden? Noch besser aufpassen, dass kein Sturm losbricht. Noch besser darauf achten,  dass sich abzeichnendes im Keim gepackt werden kann, bevor es wie man so schön sagt «Junge kriegt».

Die Sicherung der Reputation ist im heutigen Monopolzeitungszeitalter der Schweizer Medien für Gemeinden wichtiger und bedeutungsvoller geworden. Weshalb es sich lohnt, die Standortinformation und die Standortvermarktung im Rahmen einer effektvollen Standortförderung wirkungsvoll zu gestalten und zu führen.

 

Ihr

Bruno Hofer

07.07.2021