Unlängst habe ich darüber berichtet, wie am Hallwilersee (Bild) Sensoren platziert werden, um eine Besucherführung durchzuführen und Anstürme zu kanalisieren.

Eine gute Sache, die wirklich im Trend der Digitalisierung liegt, wie ein Blick über die Landesgrenze hinaus aktuell zeigt.

Die Gemeinde Kirchheim bei München hat beschlossen, eine «Smart City» zu werden. Nun geht sie an die Arbeit. Zuerst werden Daten beschafft. Zu diesem Zweck werden an neuralgischen Punkten Sensoren aufgestellt. Diese messen Verkehrsaufkommen, Luftqualität, ja sogar die Gesundheit von Bäumen kann erhoben werden. Mit all diesen Daten soll Kirchheim ein 3D-Modell erhalten, das als digitaler Zwilling der Gemeinde bezeichnet wird. Diese Datengrundlage schafft erstens einmal Transparenz über aktuelle Zustände, versachlicht die Diskussion und liefert somit eine aktuelle Standortbestimmung.

Der digitale Zwilling kann dann verwendet werden, um Zukunftszenarien zu simulieren. Wie beeinflusst ein geplanter Stadtpark die Luftqualität und den Artenreichtum? Welche Wirkung hat eine neue Verkehrsführung auf die Luftqualität? Mit dem Datenzwilling werden Wirkungszusammenhänge rascher sichtbar gemacht. Blindflüge gibt es dann keine mehr. Der Datenzwilling soll zudem öffentlich werden, Menschen ihn einsehen, und sie können auch Einträge erstellen. Damit wird der Datenzwilling zu einer Art Wikipedia. Erfasst werden in der Städtekarte auch wichtige Punkte wie beispielsweise die Standorte von Defibrillatoren. Dies berichtet die Süddeutsche Zeitung.

Kirchheim mit rund 12’000 Einwohnern ist eine von 32 Gemeinden, die vom Bundesinnenministerium (BMI) im Rahmen eines Projekts ausgewählt wurden, um tätig zu werden. Das BMI unterstützt (gemäss Webseite) Smart Cities in Deutschland und weltweit gemeinsam im Dialog zwischen Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Dazu gehört auch die Förderung von Modellprojekten «Smart Cities Made in Germany» wie Kirchheim eines ist.

Neben Kirchheim bei München sind auch Hagenow, Eichenzell und Barleben und Kleinstädte und Landgemeinden mit dabei. Im Set der 32 figurieren aber natürlich auch Grosstädte wie Berlin, Darmstadt, Gütersloh oder Kassel.

Grundlage für alle Überlegungen und Arbeiten ist in Deutschland die Smart City Charta, die das Ziel verfolgt, die digitale Transformation in den Kommunen nachhaltig zu gestalten. Die Digitalisierung solle man nicht einfach geschehen lassen, sondern aktiv im Sinne einer nachhaltigen und integrierten kommunalen und regionalen Entwicklung gestalten. Dabei wird angeknüpft an die New Urban Agenda (NUA) der Vereinten Nationen.

In der Schweiz werden die Smart City Bestrebungen in der Plattform Smart City Hub koordiniert. 

Ihr

Bruno Hofer

17.11.2021