Die Idee hat das Zeug, einen Paradigmenwechsel für Verkehrslösungen im ländlichen Raum auszulösen: Taxito, das unkomplizierte Taxi-Rufsystem, das aus dem Berner Oberland stammt. Das von Martin Beutler entwickelte System hat dieser Tage einen neuen Meilenstein geschafft: im Seetal auf einer Linie zwischen den Kantonen Luzern und Aargau sind jetzt neu 11 Stationen verfügbar.

Von nun an können Autofahrer entlang der Linie Hitzkirch – Fahrwangen – Meisterschwanden Geld verdienen.  Vorausgesetzt, sie sind bereit, reisewillige Personen in ihrem Fahrzeug mitzunehmen. Mit diesem System wird die Verkehrserschliessung einer Region durch die eigenen Bewohner bewerkstelligt.

Eine Installation an der Haltestelle bietet Interessenten Hinweise für Reiseziele. Eine Destination kann gewählt werden. Dann können vorbeifahrende Automobilisten mit demselben Ziel die Person mitnehmen und erhalten auf ihre Autonummer einen Betrag gutgeschrieben.

Das Ganze hat auch einen gesellschaftlichen Aspekt. Durch die Mitnahme entstehen Kontakte und Gespräche, es findet das statt, was in einer Region gefragt ist: Community-Building, Kontaktnahme, Vernetzung und Zusammenhalt. Dank Taxito kommen Menschen miteinander ins Gespräch, die sonst keine Gelegenheit dazu gehabt hätten.

Nicht zuletzt deshalb ist das Projekt getragen von zwei Gemeindeverbänden aus zwei verschiedenen Kantonen. Zum einen von der IDEE SEETAL im Kanton Luzern unter der Leitung von Roger Brunner, zum anderen vom Lebensraum Lenzburg-Seetal im Kanton Aargau, der durch Jörg Kyburz geführt wird.

Mit der Einführung zeigen die beiden Entwicklungsträger beispielhaft auf, wie über die Kantonsgrenze hinweg innovative Projekte zu Gunsten der Bevölkerung und für eine nachhaltige Mobilität umgesetzt werden können. Damit wird der Gesamtraum besser als Einheit wahrgenommen. Ein kantonsübergreifendes Entwicklungskonzept (KEK Seetal) unter der Leitung von Gabi Lauper schaffte die ideelle Grundlage. Die Zielsetzungen sind vielfältig: Die gemeinsame Identität soll gefördert, vorhandene Synergien ausgeschöpft und ein gemeinsamer Auftritt nach aussen geschaffen werden. Dies schliesst neben gemeinsamen Lösungen für Verkehrsprobleme auch eine gemeinsame Standortförderung ein. So soll die Seetalbahn, die das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs darstellt, gestärkt werden durch den Taxito-Versuchsbetrieb mit der neuen Busverbindung. Dadurch sollen gewisse direkte Verbindungen ermöglicht und Lücken geschlossen werden. Vor allem aber stellt das neue System ein Angebot dar für Randzeiten, die sonst nicht bedient werden.

Das Taxito-System ist im Kanton Luzern bereits erprobt. As Alternative zum Busausbau wurde nämlich im Jahre 2015 im Lutherntal Taxito gestartet. Der Pilot im Napfgebiet ist heute Bestandteil im Verkehrsverbund Luzern (VVL).

Die Einführungsphase für Taxito-Seetal erstreckt sich über drei Jahre und wird finanziert durch die 8 Gemeinden Aesch, Bettwil, Buttwil, Fahrwangen, Hitzkirh, Hochdorf, Meisterschwanden und Schongau. Der Verkehrsverbund Luzern übernimmt einen Betriebsbeitrag. Der Kanton Aargau stellt eine Anschubfinanzierung sicher aus dem Innovationsfonds der Abteilung Verkehr im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU). Geld gibt’s auch vom Bund. Die SBB steuern einen Projektbeitrag bei, da Taxito ein Lösungsansatz ist für das intermodale Angebot im Sinne des Programmes Radical 30. Dabei handelt es sich um Projekte für mehr Smartness in der Verkehrsgestaltung. Die Konzeptkosten während der Planung wurden von den beiden Planungsverbänden übernommen.

Taxito Seetal zeigt auf, wie kantonsübergreifende Zusammenarbeit einen vielfältigen Nutzen kreieren kann. Es dient der Standortentwicklung, der Wohnortförderung und schafft erst noch ein innovatives Image.

Für Vernetzung und Kontakte stehe ich gerne zur Verfügung.

Ihr Bruno Hofer

09.09.2021