Seit dem 1. Januar dieses Jahres ist eine neue Institution für die Digitalisierung in der Schweiz zuständig, sie trägt den Namen «Digitale Verwaltung Schweiz». Das politische Führungsgremium besteht aus 12 Personen. Drei davon sind Bundesräte. Markus Dieth vertritt die Kantonsinteressen. Wir haben nachgefragt. 

Kommunalmanagement: Herr Dieth, Sie sind als Mitglied des Leitenden Ausschusses der Konferenz der Kantonsregierungen als KDK-Delegierter für Digitalisierung mit dabei. Weshalb fiel die Wahl gerade auf Sie?

Markus Dieth: In meiner Rolle als Vorsteher des Departements Finanzen und Ressourcen, bei dem auch die IT für den Kanton Aargau angesiedelt ist, setze ich mich sehr stark mit der Digitalisierung auseinander. Zudem leite ich den Steuerungsausschuss Smart Services Aargau mit dem Ziel, die Digitalisierung im Kanton voranzutreiben. Der Kanton Aargau gehört schweizweit zu den Spitzenkantonen bezüglich Digitalisierung. Kürzlich haben zum Beispiel Kanton und Gemeinden gemeinsam einen einzigen zentralen Zugang zu allen Behördenleistungen geschaffen. Mit dem neuen “Smart Service Portal” können Einwohnerinnen und Einwohner, Unternehmen, Organisationen und Vereine im Aargau unabhängig von Zeit und Ort 450 digitalisierte Dienstleistungen nutzen. Dass ich meine Erfahrungen auch auf Bundesebene einbringen darf, freut und ehrt mich sehr.

Kommunalmanagement: Immer wieder liest man, die Schweiz habe einen Rückstand bei der Digitalisierung. Einer Studie der ZHAW zufolge schnitt beispielsweise das Gesundheitswesen schlecht ab. In der jüngsten Rangliste der digitalen Champions hat die Schweiz auch einen Rang verloren und ist vom 5. auf den 6. Rang zurück. Was läuft falsch?

Markus Dieth: Das Ranking zeigt, dass wir weiterhin sehr nahe an den Top 5 sind und auf einer guten Basis gemeinsam die nächsten Schritte gehen können. Fakt ist, dass immer mehr Einwohnerinnen und Einwohner auf kommunaler und kantonaler Ebene die Behördendienstleistungen rund um die Uhr verfügbar haben wollen. Daran arbeiten wir im Kanton Aargau mit Hochdruck. Es ist wichtig, dass dies schweizweit zu einer ganz normalen Denkhaltung wird und wir die Dienstleistungen aller 3 Staatsebenen – Bund, Kanton und Gemeinden – gemeinsam digital verfügbar machen. Damit wir dieses Ziel erreichen, leiste ich gerne mit der kantonalen Erfahrung auf nationaler Ebene einen Beitrag.

Kommunalmanagement: Einer Studie von pwc und der Universität St. Gallen zufolge (Trendradar 2022) gibt es eine Diskrepanz. Auf kommunaler Ebene sei zwar ein grosser Handlungsbedarf in Sachen Digitalisierung erkannt, doch es fehlen Entscheide, ihn auch anzupacken. Stellen Sie das in Ihrer Praxis auch fest?

Markus Dieth: Was den Kanton Aargau betrifft, spüre ich eine grosse Aufbruchstimmung und erlebe viel Dynamik. Kanton und Gemeinden arbeiten Hand in Hand zusammen und setzen gemeinsam neue Projekte um, damit die Menschen künftig ihre Anliegen und Bedürfnisse im Kontakt mit den Verwaltungen effizienter und einfacher abwickeln können. Es gilt aber zu beachten, dass es nicht für alle Menschen möglich ist, die digitale Welt zu nutzen. Deshalb ist es nötig, dass die Gemeindekanzleien ein umfassendes Dienstleistungsangebot anbieten müssen.

Kommunalmanagement: Welches sind die nächsten konkreten Schritte der digitalen Verwaltung Schweiz? Gibt es bald eine ausserparlamentarische Kommission für Digitalisierungsfragen, wie Thomas Reitze von T-Systems zu Jahresbeginn in der NZZ forderte?

Markus Dieth: Die Digitale Verwaltung Schweiz ist das Koordinationsgremium von Bund und Kantonen. Der Leistungsauftrag umfasst die Identifikation der erforderlichen Basisdienste, die Förderung von Standardisierung und den Aufbau einer Anlaufstelle für Öffentlichkeit, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Letztlich geht es um die Initialisierung eines Kulturwandels in Verwaltung und Gesellschaft, denn die Digitalisierung beginnt in den Köpfen. Darum setzen wir im Kanton Aargau nicht nur medienbruchfreie Dienstleistungen für Bevölkerung und Unternehmen um, sondern gestalten den digitalen Wandel in der kantonalen Verwaltung mit der Strategie SmartAargau aktiv mit. Wir investieren gezielt in die Modernisierung von Infrastruktur, in die Digitalisierung von internen Prozessen und Abläufen, aber auch in die Unternehmenskultur und die Weiterbildung unserer Mitarbeitenden und Führungskräfte.

Vielen Dank für dieses Gespräch.

Bruno Hofer

Kommunalmanagement

20.05.2022