Neulich las ich in der Luzerner Zeitung (Sie wissen, mein Leibblatt), dass die Stadt Luzern eine neue Methode gefunden hat, die Wohnortförderung voranzutreiben. Sie nahm ein Beispiel aus Spanien und unterzieht es einer erweiterten Prüfung. Ich find das wirklich innovativ. Sie werden die Stirne runzeln und fragen: «Wie kann man etwas innovativ finden, das bloss abgekupfert wurde? Innovativ ist doch nur das, was man selber erfindet und somit ein Unikat ist!» Ich bin da aus mehreren Gründen anderer Meinung. Ich erinnere mich da an einen Film mit Bruno Ganz in der Hauptrolle. Der Streifen ist uralt. Er trug den Titel «Der Erfinder». Da ist ein cleverer Mann am Werk und werkelt die ganze Zeit vor sich hin. Die Leute beobachten ihn mit einer Mischung von Bewunderung und Abneigung. Am Ende seiner langen Erfindungssuche schafft er sein neues Ding. Es ist ein Panzer. Problem: Er war nicht der erste, der das erfand. Das Beklemmende: Der Erfinder ist wirklich ein cleverer Mann. Ein hochgescheites Individuum. Mit Geist, Engagement und grosser Ausdauer. Und dennoch scheitert er komplett.

Manchmal erinnert mich das Vorgehen bei gewissen Gemeinden etwas an den cleveren Bruno Ganz. Man will innovativ sein, zieht sich in sein stilles Kämmerlein zurück und tüftelt etwas aus. Wie das berühmte Huhn mit dem Ei präsentiert man das Gefundene dann als Weltneuheit einer ganz besonderen Provenienz: «Wer hats erfunden?», ricolattiert man dann und klopft sich auf die geschwellte Brust. Den Rest kennen Sie. Deshalb empfinde ich nicht jene Lösungen als innovativ, die man sogenannt selber erfindet. Sondern aus meiner Sicht besteht die Innovation darin, im Meer der Möglichkeiten das bestangepasste für die eigene Ortschaft zu finden und zu adaptieren.

Deshalb empfinde ich die Stadt Luzern mit ihrem neuen Modell der Wohnortförderung innovativ. Auf der Suche nach der Antwort auf die Frage: «Wie optimiert man Siedlungsräume so, dass es der Einwohnerschaft wirklich gefällt?» stiessen die Verantwortlichen in Barcelona auf eine gelungene Antwort und nehmen sie ins Visier. Ob die Lösung Erfolg hat oder nicht, scheint mir für den Moment sekundär. Wichtig ist, dass der Fächer der Suche erweitert wird. Städte gibt es überall. Probleme haben so in etwa alle die gleichen. Erfahrungsaustausch ist das A und O jeder Verbesserung. Die Kombination von Ideen und Konzepten schafft die besten Lösungsansätze.

Die Idee aus Barcelona wird jetzt im Rahmen einer studentischen Arbeit vertieft. Die richtigen Fragen werden gestellt: Passt diese strassenräumliche Freizeitgestaltung zusammen mit den Erfordernissen des Verkehrssystems? 

Es lohnt sich zudem, die Erfahrungen in Barcelona zu beobachten. Kontakte könnten geknüpft, Stadtpartnerschaften initiiert werden. Auch dies schafft Austausch von Erfahrungen und trägt zur Lösungsoptimierung bei. Vielleicht lässt sich aus den Studien der Stadt Luzern zum Thema etwas für Barcelona gewinnen. Dies würde eine wechselseitige Befruchtung darstellen. 

In diesem Sinne: «Finden statt erfinden» – ein Lösungsweg mit Zukunft! In eine vernetzen Welt können alle nur voneinander profitieren. So der Austausch nicht durch ideologische Barrieren oder alternative-anachronistische Denkmuster komplett blockiert wird. 

 

Ihr

Bruno Hofer

09.03.2022