
Schwyz nutzt ein neues Tool, um breite Kreise anzusprechen. Bei der Zentrumsgestaltung konnten so viele neue Ideen generiert werden.
19.02.2026 – Instrumente für den Online-Einbezug der Bevölkerung werden vielseitiger und ausgeklügelter. Im Gespräch mit Bruno Hofer erläutert Beppino Beffa, Gemeindepräsident von Schwyz, den hier gewählten Ansatz.
Erste Frage: Wie geht es der Gemeinde Schwyz?
Bettino Beffa: Grundsätzlich geht es uns gut. Wir sind – wie alle – in einem dynamischen Umfeld. Das Tagesgeschäft absorbiert sehr stark. Oft vergessen wir die Flughöhe zu ändern, um das ganze Umfeld und vor allem die Zukunft nicht aus den Augen zu verlieren. Darum hat sich die Gemeinde entschieden, die Bevölkerung mit einer neuen Möglichkeit einzubeziehen.
Die Gemeinde Schwyz hat eine digitale Landsgemeinde durchgeführt. Man wollte wissen, wie die Bevölkerung die Zentrumsentwicklung von Schwyz sieht. Ist das Resultat der Umfrage für den Gemeinderat zufriedenstellend herausgekommen? Kann damit gearbeitet werden?
Der Gemeinderat hat Hypothesen aufgestellt. Die Teilnehmenden konnten eigene Ideen einbringen. Dank der wiederholten Teilnahme der Einzelnen wurde auch die Wichtigkeit der neuen Ideen gewichtet. Einerseits ist es für den Gemeinderat eine Bestätigung, dass wir doch in grossen Teilen die Anliegen der Bevölkerung gut eingeschätzt haben, und anderseits ist es für uns eine Bestätigung, dass wir auf dem rechten Weg sind. Wir haben nun eine gute Basis für die Weiterbearbeitung und auch für die Verhandlungen mit Kanton, Bezirk und Privaten zusätzliche Argumente aus der Bevölkerung erhalten.
Im Gegensatz zu einer einfachen Umfrage wurde hier ein spezielles Tool gewählt. Es fokussiert auf die Generierung von Ideen und bringt diese in eine Reihenfolge. Was war für den Gemeinderat der Vorteil dieses Ansatzes gegenüber einer Umfrage?
Wir konnten gegenüber dem klassischen Weg über Kommissionen breite Kreise ansprechen. Mehr Leute haben auch mehr Ideen. Wir sind bewusst das Risiko eingegangen, dass der Wunschzettel auch zu gross werden könnte. Der Vorteil gegenüber einer Umfrage ist, dass die neu aufgebrachten Ideen auch anderen Ideen gegenübergestellt worden sind. Wir haben so gleichzeitig eine Gewichtung erhalten, welche Themen wirklich breite Kreise betreffen.
Die Resultate dieses Prozesses lassen sich in vielerlei Hinsicht gliedern. Es ist die Rede von Sweet Spot, Chancenradar, aber auch von Konfliktradar. Können Sie das genauer erläutern und den Nutzen dieser Gliederung aufzeigen?
Mit diesem Tool kann verhindert werden, dass durch Interessengruppierungen die Ergebnisse gesteuert werden. Neu eingebrachte Ideen werden bisherigen gegenübergestellt. Es kristallisieren sich Themen heraus, die breit akzeptiert sind und einen starken Rückhalt in der Bevölkerung haben (Sweet Spot), die gegensätzlich beurteilt oder auch gänzlich abgelehnt werden. Das zeigt auch auf, bei welchen Ideen die Meinungen auch stark auseinandergingen und die insofern auch «umstritten» sind (Konfliktradar). Auch ist ersichtlich, wie weit nach vorne in die Top 10 es die Hypothesen des Gemeinderats geschafft haben – welche Themen dem Gemeinderat bekannt sind – und wo neue Perspektiven hervorgetreten sind (Chancenradar).
Es war die Bevölkerung von Schwyz, die aufgerufen wurde teilzunehmen. Wie wurde sichergestellt, dass nicht nur jene Kreise teilnahmen, die spezifische Interessen in Schwyz vertreten.
Ein gewisses Risiko besteht immer. Aber durch den modernen Ansatz, dass Erstteilnehmende via Erinnerungsmail zur Zweitteilnahme aufgefordert werden, werden neue Inputs immer relativiert und sind so ein gewisser Schutz. Auch wurden verschiedene Kommunikationsmassnahmen ergriffen, um möglichst viele Personen zu erreichen und damit auch verschiedene Interessen abbilden zu können (Vereine, Firmen, Parteien etc.).
Wie sieht nun das weitere Vorgehen aus?
Der Gemeinderat wird nun die Themen vorerst bündeln. Die ausgearbeiteten Themenkreise werden in einer zweiten öffentlichen Umfrage mit konkreten Fragen vertieft. So erhalten wir verlässlichere Aussagen. Schliesslich wird der Gemeinderat eine Gewichtung zwischen Wünschbarem und Machbaren vornehmen müssen. Am Schluss hat alles ein Preisschild und der Stimmbürger wird im Budgetprozess oder an der Urne entscheiden müssen, ob er eine neue Ausrichtung oder gewünschte Änderungen wirklich will.
Vielen Dank für dieses Gespräch
Hören Sie dazu auch den Podcast zum Thema mit Beppino Beffa, Gemeindepräsident von Schwyz hier.






