Gemäss dem Raumplanungsgesetz des Bundes haben Gemeinden die Pflicht, sich zu Raumplanungsgruppen zusammen zu schliessen und die Raum- und Ortsplanungsrevisionen miteinander zu koordinieren. Dabei gelten die funktionalen Räume als massgeblich.

Immer wieder gibt es bei den Mitgliedschaffen jedoch Diskussionen. Sei es, dass eine Gemeinde einen Verband wechseln will, oder dass sich einzelne Gemeinden aus einem Verband ausklinken möchten, um sich anders zu organisieren.

Woran liegt das? Wie kommt es zu Veränderungsabsichten?

Ich habe mich aktuell mit dem Fall Aadorf im Kanton Thurgau befasst und komme in meiner Analyse verallgemeinernd zum Schluss, dass immer dort, wo das Thema «Raumplanung» in einen breiteren Zusammenhang gestellt wird, Diskussionen aufkommen.

Was meine ich mit breiterem Zusammenhang? 

Gemeinden haben Aufgaben in den beiden Feldern Arbeiten und Wohnen sowie in den drei Bereichen Standort-Entwicklung, Standort-Management und Standort-Kommunikation. Die Raumplanung beschlägt den Bereich der Standort-Entwicklung. Er wirkt aber grundlegend für die anderen Bereiche. Ist sozusagen die Hardware. Die Standortförderung im eigentlichen Sinn führt jedoch aus, was im Bereich der Standort-Entwicklung als Grundlage geschaffen wurde. Ist sozusagen die Software. 

Je nachdem wo man die Schwerpunkte setzt, ob man mehr von der Hardware-Seite denkt oder von der Software-Seite her, können Diskussionen entstehen, die in Konflikte ausmünden. Und dies scheint mit im Thurgau nun eben der Fall. 

Und grundsätzlich bin ich der Meinung, solche Diskussionen seien gut, weil aus meiner Sicht Raumplanung und Standortförderung zwei Themen sind, die zusammen behandelt werden sollten.

Was geschah in Aadorf?

Aadorf gehörte zur Regio Wil, beschloss nun aber den Wechsel zur Regio Frauenfeld. Anders Stokholm, Präsident der Regio Frauenfeld und Frauenfelder Stadtpräsident, freut sich, Anne Rombach-Jung, die Geschäftsleiterin von Regio Wil, bedauert den Entscheid. Matthias Küng, der Gemeindepräsident von Aadorf, begründet den Entscheid mit der Nähe zu Frauenfeld. Sein Vorgänger, Bruno Lüscher, kann den Entscheid seines Nachfolgers nicht verstehen. Die Beurteilungen sind also unterschiedlich. Meiner Meinung nach liegt die Ursache dafür in der oben erwähnten Hardware/Software-Dichotomie.

Nun, Aadorf ist gemäss regionalen Beobachtern eine Gemeinde auf der Hauptachse Wil – Sirnach – Eschlikon – Aadorf. Dieser Achse entlang verlaufen die nationalen und überregionalen Bahn- und Strassenverbindungen. Entlang dieser Achsen entwickeln sich die Ortschaften und sind die lokalen sozialräumlichen Aspekte der künftigen Entwicklung im räumlichen Zusammenhang zu betrachten. Bezieht man jedoch die Einkaufsströme mit ein, sind zwei Zentren bestimmend: Frauenfeld und Winterthur.

Das Thema wird also zur Knacknuss in dem Moment, wo die Beurteilung des Zusammenspiels zwischen Soft- und Hardware auseinanderdriftet. 

Man spricht ja nicht nur von Raumplanung und Ausnützungsziffern, sondern stellt sich die Frage: In welcher Region, in welchem Gemeindeverband, resp -Verbund, hat unsere Gemeinden den grössten Nutzen für die Einwohnerschaft und die Wirtschaft. Was sichert eine bessere Entwicklung in der Zukunft?

Ich denke, dass diese Fragestellungen in Aadorf bestimmend waren und nicht der Umstand, dass in der Gruppe Frauenfeld der Pro-Kopf-Beitrag nur 5.50 statt 7.50 wie in der Regio Will beträgt. (Ich hoffe es jedenfalls, sonst wäre es ein Armutszeugnis).

Die Regio Frauenfeld könnte unter Umständen stärker auf das Wesen der Raumplanung fokussiert sein als dies bei der Regio Wil der Fall ist, wo die Wirtschaftsentwicklung eine grosse Rolle spielt und mit Wil West eine grosse Standortentwicklung im Gange ist und Arbeitsplätze ein grosses Thema sind. 

Aus meiner Sicht sollten raumplanerische Überlegungen noch viel stärker als bisher im Verbund mit Standortentwicklung, Standortmarketing und Förderung von Wirtschaft und Gesellschaft ausdiskutiert werden. 

Leider stecken aktuell die Fachbruderschaften zwischen den verschiedenen Branchen da und dort noch etwas in den Kinderschuhen. 

Raumplaner beäugen nicht selten die Vertreter von Wirtschafts- und Standortförderung mit schiefem Blick. Und umgekehrt verstehen oft Standortförderer die Sprache der Planer zu wenig. 

Es wäre zu wünschen, dass hier noch ein bisschen mehr an Zusammenraufen stattfinden würde.

Es gäbe der Diskussion einen anderen Spin.

Ihr

Bruno Hofer

17.05.2022