Villen oder Sozialwohnungen? Der Business-Case von Oberwil-Lieli

In Oberwil-Lieli im Kanton Aargau sollen 8 Villen statt 80 Wohnungen erstellt werden, was für Wirbel sorgte.

Das Beispiel zeigt eindrücklich, dass «Raumplanung» keineswegs die so trockene Materie ist, für die sie viele halten. Im Gegenteil: In den Plänen wird die Richtung bestimmt, in die eine bestimmte Gemeinde sich entwickeln soll.

Die Revision von raumplanerischen Grundlagen wie Bau- und Nutzungsordnungen, Bau- und Zonenordnungen und wie die technischen Fachbegriffe alle heissen entlocken meistens bei Angesprochenen eher ein müdes Gähnen als ein aktives Engagement.

Doch hier werden die Weichen gestellt. Hier wird Standort-Entwicklung betrieben, die erste Stufe im dreiteiligen Kommunalmanagement, das Standort-Management und Standort-Kommunikation miteinschliesst.

Die Pläne geben Antwort auf die Frage, in welche Richtung sich ein Standort entwickeln soll. Liegt der Schwerpunkt auf dem Wohnen? Oder ist die Gemeinde eher prädestiniert für die Wirtschaft? Die Antworten auf diese Fragen spiegeln natürlich auch politische Einstellungen, doch sind sie eher sachlicher Natur.

Kommunale Einheiten haben ihr Gepräge und ihre Geschichte. Sie stellen etwas dar und sind in ihrer Funktion bestimmt. Eine Gemeinde auf einer Bergkuppe mit Blick auf einen schönen See wäre niemals gut beraten, wenn sie die Ansiedlung von Fabrikschloten anstreben würde. Hier stünde doch schon eher Wohnen im Vordergrund.

Und so gesehen ist auch der Gestaltungsspielraum für eine Gemeindeexekutive nicht völlig unbegrenzt. Sie muss aus dem Vorhandenen das Beste herausholen, was Sinn macht für die Zukunft.

Dabei darf sie aber nicht in eine boulevardeske Cliché-Falle treten, wie das in Oberwil-Lieli geschehen ist. Der Case kann in guten Treuen so zugespitzt werden, wie der «Blick» das getan hat. So sieht es auf den ersten Blick ja auch aus. Wenn man aber tiefer gräbt, und zwar nicht in die cliché-verstärkende Richtung, sondern tiefer in die Sachebene hinein, dann stellt man fest, dass der Plan der Gemeindeverantwortlichen nicht so unpassend ist für das schöne Dorf auf dem Hügel.

Es kann logisch nachvollzogen werden, dass der Fokus auf gute Steuerzahler vermutlich richtig ist. Alles andere würde eine Kehrtwende in der Standort-Entwicklung bedeuten, das der Kommune unter dem Strich wohl teurer zu stehen käme.

Die Frage ist jedoch: Hat es die Exekutive geschafft, ihr Projekt so gut in einen Kontext einzubauen und kommunikativ zu begleiten, dass verstanden werden kann, was das Ziel des Projekts ist? Und hier habe ich in der Tat meine Zweifel.

Das ist Kommunalmanagement

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