Der Standortförderer als Politiker, geht das überhaupt?

Darf ein Standortförderer auch politisch tätig sein? Eine heikle Frage. In Titisee-Neustadt im Land Baden Württemberg wurde ein frischer Standortförderer noch in der Probezeit entlassen, weil plötzlich seinen Vorgesetzten bekannt wurde, dass er für die Grünen kandidierte. Er hatte diese offenbar im Glauben gelassen er tue nichts solches.

Der Fall wirft allgemeine Fragen auf. Grundsätzlich ist ein Standortförderer ja ein Bürger wie jeder andere auch. Also darf er auch das passive Wahlrecht wahrnehmen. Anderseits sollte er über allen Parteien stehen und neutral sein.

Doch wer ist schon wirklich neutral? Jeder hat eine Einstellung. Der eine denkt eher in liberalen, der andere in konservativen, ein dritter in sozialistischeren Denkschemen. Seine Gesinnung an der Bürotür deponieren geht sowieso nicht.

Zudem darf, wer eine Arbeit hat, auch eine Freizeit haben. Und was er damit anfängt, ist seine eigene Angelegenheit.

Was uns zur Frage zurückführt, ob die Trennung des Standortförderers von Titisee-Neustadt angebracht war. Es hat den Auftraggeber nicht zu interessieren, was der Auftragnehmer – hier der Standortförderer – in seiner Freizeit tut. Wichtig ist, dass er die beiden Dinge klar trennt und seinen Job tipp topp erledigt. Da fand wohl eine Überreaktion statt.

Es darf aber natürlich nicht sein, dass der Privatmann sein Amt missbraucht, um höhere Wahlchancen zu haben. Natürlich darf er die Bezeichnung verwenden (wenn er Zahnarzt ist, tut er dies ja auch), aber er darf diese Bezeichnung nicht als Vehikel für eine Kampagne nutzen.

Grundsätzlich ist es sicher so, dass ein guter Standortförderer mit Einsitz in einem Parlament mehr Kraft hat, seine Aufgabe mit einer Hebelwirkung zu versehen. Gerade im Bereich der Standort-Entwicklung, wo es um Schaffung von Rahmenbedingungen und Infrastrukturen geht.

Eine Wahl kann auch angesehen werden als Gütesiegel. Die Bevölkerung gibt dem Standortförderer eine zusätzliche Legitimation. So gesehen geht der Standortförderer auch ein beträchtliches Risiko ein wenn er überhaupt kandidiert.

Warum eigentlich den Standortförderer nicht ohnehin in jedem Fall vom Volk wählen zu lassen? Damit wäre auch die leidige Frage geklärt, was eine gute Standortförderung ist und was nicht.

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