Der gerechte Lohn für einen Gemeindepräsidenten

Im Kanton Aargau hat der Wahlkampf begonnen. In einem Jahr finden Wahlen in die Gemeindeexekutiven statt. Viele Betroffene werden sich jetzt schon fragen: Was kann ich tun, um meine Chancen zu erhöhen? Einige könnten sich aber auch die Frage stellen: Lohnt sich der Aufwand? Kriege ich genug Geld dafür?

Unlängst hat die Aargauer Zeitung eine interessante Statistik zu diesem Thema veröffentlicht. Sie zeigt für Gemeinden mit über 10’000 Einwohnenden auf, wie hoch das Salär der Exekutiv-Vorstehenden ist. Das sieht dann etwa so aus:

 

 

Die Zahlen stammen von der Gemeindeammänner-Vereinigung. Ich habe mich gefragt, ob man diese Zahlen als Grundlage für einen Fairness-Index (FI) verwenden könnte. Je mehr Einwohner, desto höher sollte der Lohn sein, oder nicht? Natürlich sind die Einwohnenden nicht das einzige Kriterium zur Bestimmung des Salärs.

 

Nehmen wir aber der Einfachheit halber mal an, es wäre so. Dann müssten Gemeinden mit der höchsten Einwohnerzahl die höchsten Saläre für die Vorstehenden der Exekutive ausrichten.

Nun vergleichen wir die Zahlen. Ist das so? Im Kanton Aargau? Bei den 11 über 10’000 Einwohnenden zählenden Gemeinden?

 

Antwort: Nein!

 

Ich habe diese elf Gemeinden einmal entlang der Einwohnerzahlen und einmal entlang der Löhne sortiert. Dann habe ich mich gefragt: Müsste nicht der Rang 1 bei den einwohnerstärksten Gemeinden auch dem Rang 1 bei den höchsten Löhnen entsprechen?

 

Meine Vergleiche ergeben folgendes: Für eine Gemeinde im Freiamt sieht es ganz düster aus. Die Exekutive in Wohlen scheint stark unterbezahlt zu sein. Wohlen liegt bei den Einwohnern auf Rang vier, bei den Löhnen jedoch weit hinten, an neunter Stelle. 5 Ränge Differenz! Die grösste Diskrepanz im Kanton. Nicht viel besser sieht es in Oftringen aus. Und auch Aarau ist nicht auf Rosen gebettet.

 

Auf der anderen Seite sonnt sich Brugg. Die Stadt liegt mit rund 10’500 Einwohnern nur gerade auf Rang neun der Skala. Beim Lohn aber ist Brugg im Spitzenrang Nummer eins!

 

Für Spreitenbach, Möhlin und Suhr stimmt übrigens die Rechnung. Die Rangfolge unter den Gemeinden entspricht der Rangfolge der Löhne der Exekutiv-Vorstehenden.

 

Wie gesagt: Die Einwohnerzahl kann und darf nicht das entscheidende Kriterium sein. Sonst müsste man ja pro Einwohnende einen Salärbeitrag von durchschnittlich rund CHF 15.00 rechnen. Salärbestimmend sollten aus meiner Sicht auch die laufenden Projekte sein, die Wirtschafts- und Steuerkraft und die Herausforderungen zB. Im Sozial- oder Bildungsbereich.

 

Ich könnte mir zudem eine Bonus-Regelung vorstellen. Jede positive Meldung in den Medien wird mit einem Bonus für den Gemeindevorsteher belohnt. Jede positive Entwicklung bei kaufkräftigen Einwohnenden mit Familien und der positiven Entwicklung bei Zuzügen und der Entwicklung der Steuereinnahmen ebenso. Der Vorsteher sollte mit einem Bonus belohnt werden, damit er in seiner Personalpolitik die richtigen Entscheidungen fällt.

 

In Deutschland fällt auf, dass fast jede Gemeinde die Funktion der «Wirtschaftsförderung» mit einer besonderen Stelle resp. Instanz honoriert. Kann es sein, dass damit der Zukunftsentwicklung mehr Gewicht beigemessen wird als hierzulande?

 

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