Corona-Webinare von Hofer Kommunalmanagement: Das sind die Resultate

Die meisten Gemeinden wurden von der Corona-Krise auf dem falschen Fuss erwischt. Dies ergaben verschiedene Corona-Webinare, die von Hofer Kommunalmanagement im Juni abgehalten wurden. Für das Personal bedeutete das in vielen Fällen einen Wechsel ins Homeoffice, was da und dort zu Problemen im logistischen Bereich führen konnte. Nicht alle Mitarbeitenden verfügten über einen Laptop, was IT-Beschaffungsprojekte zur Folge hatte, die anders als normalerweise in relativ kurzer Zeit und unkompliziert durchgezogen werden konnten. Die Auswirkung auf die Schalterdienste war zudem stark spürbar. Was in einer ersten Phase mit einer beschränken Zugangsempfehlung begann, hatte als Fortsetzung oft eine wochenlange Schliessung. Besuche waren nur noch auf Voranmeldung möglich. Für das Facilitymanagement bestand das Problem darin, dass aufgrund geschlossener Schulen und Einrichtungen Putzdienste wegfielen, was zu einem Auslastungsproblem der entsprechenden Fachkräfte führte. So wurde halt da und dort der Frühlingsputz vorgezogen. Bei den Baugesuchen wurde eine Zunahme verzeichnet. Da viele zuhause waren, hatten sie Zeit und Gelegenheit, darüber nachzudenken, was an ihren Anwesen noch verbessert oder verändert werden könnte. Selten habe man zudem so hübsch gepflegte Gärten angetroffen wie in der Corona-Krisenzeit. Was Bauabnahmen betraf, gingen Gemeinden unterschiedlich vor. Einige setzten sie fort, andere stellten sie zurück. Überhaupt: Das Risikobewusstsein gegenüber dem Covid-19-Virus differierte in Abhängigkeit von der politischen Ausrichtung der Exekutivmitglieder, was auch auf die Verwaltung Auswirkungen hatte. Die Corona-Krise zeigte, dass die Vorbildfunktion von Mandatsträgern eine grosse Rolle spielt. (Was ja am Beispiel eines persönlichen Mitarbeiters von Boris Johnson deutlich sichtbar wurde.) Nicht wenige Gemeinderats-Gremien hielten zudem an den physischen Meetings eisern fest. Dennoch nahmen die Online-Meetings zu und haben sich nun in der Praxis vermutlich als Variante zum Zeit sparen durchgesetzt. Was im Zeitalter des Klimawandels sicher nichts Falsches ist.

 

Der Einfluss auf die Steuereinnahmen ist noch weitgehend eine Blackbox. Gemeinden mit vielen Firmen könnten stärker betroffen sein als andere. Die Erwartung der Kantone ist recht unterschiedlich. Während einzelne mit Ausfällen von bis zu 40 Prozent rechnen, erwarten andere Einbussen im einstelligen Prozentbereich.

 

Was die Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden betrifft, so lief diese auf Stufe Verwaltung recht problemlos ab. Man kennt sich schliesslich. Schwieriger wird es auf Stufe Exekutive. Hier tritt die politische Gemeindeautonomie auf den Plan und macht da und dort den Austausch etwas schwieriger.

 

Für die Zukunft bleiben werden sicher die Plexiglaswände und die Notwendigkeit, Notfallszenarien zielführend weiterzuentwickeln. Und zwar regelmässig. Vereinzelt kommt es auch zum Vorschlag, jedes Jahr einen Budgetbetrag für das systematische Überprüfen der Bedrohungslage einzustellen. Es muss ja nicht immer nur ein Virus sein. Es kann ein Frankenschock, ein Naturereignis oder eine andere Problemstellung auftauchen, die zurzeit noch gar nicht auf dem Radar steht. Wichtig ist die Regelung von Kompetenzen. In der Corona-Krise – das hat auch «Bundesbern» gezeigt – ist rasches Handeln halt einfach nötig. Entscheide können auch erst hinterher noch sanktioniert werden. Für die Zukunft wäre wünschenswert, die Möglichkeit zu schaffen, dass ein Krisenteam effektive Kompetenzen erhält, was ihm freie Hand geben würde, das aus seiner Sicht Notwendige zu tun.

 

Das Verhältnis von Gemeinden zum Kanton durchlief verschiedene Phasen. Einem täglichen Update von kantonaler Seite via E-Mail zu Krisen-Beginn folgte eine Übernahme durch den Bund. Was zu tun und zu lassen sei, bestimmte von nun an weitgehend «Bern». Vorgaben zu Schalterschliessungen wurden seitens der Kantone auch keine dekretiert. In der Regel handhabte das jede Gemeinde in eigener Regie – und oft auch unterschiedlich.

 

Die Pflege der eigenen Risikogruppen wurde unterschiedlich gehandhabt. Während in einzelnen, vor allem kleineren Gemeinden der Gemeindepräsident persönlich seine Schäfchen aufsuchte, um zu schauen, ob alles zum Besten steht, lag diese Betreuung in grösseren Gemeinden auf Stufe der Abteilungen in der Verwaltung. Da und dort übernahmen die Unterstützungsaufgabe aber auch private Vereinigungen, allenfalls mit Support durch die Gemeinde.

 

Bleiben dürfte neben den Plexiglaswänden und den Online-Konferenzen generell auch die vermehrte Zulassung von Homeoffice. Während man früher dieser Variante eher kritisch gegenüberstand, weil man Trölerei befürchtete, hat sich nun die Einsicht breit gemacht, dass mit richtiger Führung durchaus auch in Homeoffice-Umwelten ganz passable Resultate erzielt werden. Entscheidend sind Vorgaben und die Kontrolle.

 

Abschliessend stellt man da und dort Frage wie: Waren all die Massnahmen wirklich notwendig? Haben wir die richtigen Massnahmen getroffen? Die Antworten sind tendenziell offen und werden es wohl auch bleiben. Das Spektrum der Einschätzung reicht von «eine Grippe» bis zu «Todesfalle». Ob denn auch alle Verantwortlichen wirklich mit Überzeugung hinter den «von oben» dekretierten Verboten und Geboten standen, lässt sich nur teilweise eruieren. Die individuelle Risikobereitschaft variiert in Abhängigkeit von der eigenen Befindlichkeit, der persönlichen Gesundheit sowie dem Charakter. Dies schlägt sich auch in der Haltung von leitenden Personen in Gemeinden nieder. Ob sich da manchmal die Vollzugsebene der Verwaltung im Stich gelassen fühlen könnte, mag offen bleiben.

 

Sicher aber ist, dass die Corona-Krise einerseits noch nicht bewältigt ist und uns anderseits gelehrt hat, dass vieles passieren kann, woran wir nicht mal im Traum zu denken pflegen.

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