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DER WEG ZUM ERFOLG

Von Löwen und Neandertalern

Es gibt Gemeindeammänner, die wehren sich wie die Löwen für
ihre Kommune. Sie entwickeln dabei manchmal geradezu eine
Belagerungsmentalität. Stehen überkommunaler Zusammenarbeit betont skeptisch
gegenüber. Empfinden die autonomen Lösungen als das Mass aller Dinge.

Bei Avancen von anderen Gemeinden in der Umgebung, die
Zusammenarbeit zu intensivieren, wittern sie Angriffe auf das Substrat der
wohlerworbenen Aktiven, die in jahrzehntelanger Arbeit geschaffen worden waren.

Eine Wagenburg wird flugs errichtet, die Sirenen der
Zusammenarbeit als Sturmangriffe auf Bastionen entlarvt. Die Abwehrschlacht gegen
die Zusammenarbeitsursurpatoren wird als Akt der autonomen Identifikation, ja
des Überlebenswillens gefeiert und der Stolz ist unermesslich, wenn die
Erkenntnis sich breit macht, die Zusammenarbeit werde nun von den anderen
Gemeinden nicht mehr gesucht.

Und so kommt es, dass Gemeinden, die sich nicht selten als
etwas vernachlässigt und benachteiligt fühlen, nun den Eindruck haben, sie
haben durch das Zurückschlagen der Kooperationswilligen etwas gewonnen. Wird es
doch nicht besser, werden anderswo Schuldige gesucht.

Aber auch umgekehrt: Zusammenarbeitswillige Gemeinden missbrauchen
die positive Konnotation der Zusammenarbeitsfloskel nicht selten als Moralkeule,
um zu verschleiern, dass ihre Motive auch nicht völlig uneigennützig sind und
sie aus Zusammenarbeit durchaus auch einen eigenen Nutzen zu ziehen trachten.

Eines ist klar: Ohne Zusammenarbeit erreicht man nichts.
Schon die Neandertaler jagten in Gruppen. Aber auch die Zögerlichen haben oft
sehr wohl einen Punkt. Deshalb liegt die Lösung weniger in der Verherrlichung
der fundamentalistischen Autonomie oder der Alleinheilungskraft der
überkommunalen Zusammenarbeit, sondern eher im offenen Gespräch.

Auch wenn die Zusammenarbeitsbefürworter oft argumentieren,
es genüge dereinst ein Regierungswechsel, um bei den Zusammenarbeits-Verweigerern
ein Umdenken auszulösen, bin ich anderer Meinung. Gemeindeammänner sind
Sprachrohre ihrer Klientel und diese muss ernst genommen werden.

Es ist somit sinnvoll, wenn Politverantwortliche nicht die
beiden Lager gegeneinander ausspielen, sondern als Mediatoren wirken, um die
Probleme auf den Tisch zu legen, zu thematisieren, zu analysieren und
vernünftige Lösungen zu finden. Denn das ist Politik: Eine einvernehmliche
Lösung zu schaffen, die die Konflikte einebnet. Damit Zukunft geschaffen werden
kann.

In diesem Sinne wünsche ich allen einen guten Jahreswechsel.
Bruno Hofer
Kommunalmanagement
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