Wecollect entkernt die Volksrechte

Wecollect entkernt die Volksrechte

Sorry, liebe Freunde aber heute muss ich zur Abwechslung mal deutlich werden. Wecollect ist eine Pervertierung der Demokratie. Bei einem solchen Sammelladen kann man das Unterschriften sammeln ja gleich ganz vergessen. Man schickt der Bundeskanzlei CHF 250‘000 und sagt, die Sammlung könne aus dem Einwohnerregister genommen werden. Fertig Schluss. Wer willig sei, Unterschriften zu geben egal für was, kann sich ja bei der Bundeskanzlei melden und kriegt einen Steuerrabatt. Wie bei der CO 2 Abgabe. Einsatz für die Umwelt = Einsatz für die Demokratie.

Wecollect ist ein Armutszeugnis. Wo sind wir gelandet?

Früher war das ideologisch. Am Start stand eine Idee. Es folgte eine Überzeugung. Dann folgte die Suche nach Mitstreitern. Dann tüftelte man am Text. Ging auf die Strasse. Überzeugte Leute. Litt am Unverständnis, erlebte Hochgefühle für jede gewonnene Stimme. Sprach mit Journalisten. Schärfte sein Argumentarium im Diskurs. Nach der Einreichung blieb man dran. Überzeugte die Politik. Kurz: man leistete viel Fronarbeit im Sinn der Sache. Das war emotional. Das war Elan, das war Einsatz. Man wurde dabei vielleicht sogar National- oder Ständerat. Oder es gab daraus eine neue Partei.

Und heute? Wecollect. Blutleer. Kalt. Einer geht hin und macht alles. Hat ein Regal mit x-Schubladen und sammelt Unterschriften. Wie ein Roboter.

Wecollect ist eine Irreführung

Und er suggeriert Erfolgschancen! Das ist das Schlimmste daran. Denn das wird so nie und nimmer funktionieren. Der wirklich wahre Aufwand entsteht nicht während der Sammlung der Unterschriften. Das habe ich zur Genüge beim Analysieren aller bisher 463 seit 1891 lancierten Begehren gesehen. Das ist nur der erste Schritt. Der wahre Aufwand entsteht dort, wo es nach der Einreichung dann darum geht, die Anliegen von Initianten jahrelang im Bewusstsein der politischen Arena zu halten.

Das schafft kein blutleeres Propagandasekretariats-Büro. Sondern das schafft nur der politische Diskurs. Und dieser besteht aus engagierten Votanten und Votantinnen, die den Konflikt der Gegenrede nicht scheuen, sondern deren Argumente daran wachsen.

Wecollect wird nicht funktionieren

Es wird aber bewirken, dass das Instrument der Initiative abgewertet wird. Während die Gelbwesten in Frankreich neidisch unser Volksrecht beäugen und es kopieren wollen, tun wir nichts besseres, als es zu entkernen mit dieser neuen Form des Wecollectings.

Die Wecollect-Systematik produziert nur Verwaltungsleerlauf. Auf diese Weise generierte neue Politprodukte stranden auf der Sandbank. Und was ist die Folge davon? Alle wenden sich vom Instrument ab. Gehen lieber auf die Strasse. Demonstrieren. Wozu noch Unterschriften sammeln? Gehen wir lieber Scheiben einschlagen. Eine solche Schweiz will ich nicht. Die Gelbwesten loben unser System als der bessere Weg als das Demonstrieren. Wir aber stehen im Begriff gar nicht zu merken, wie wir es aufgeben und dann alle auch zu Gelbwesten werden.

Aktuell